Wirth Anderlan: Treffen mit Kalterer Neonazi-Gruppe

Netzwerktreffen mit der Neonazi-Gruppe „Aktverein“ im Haus Anderlan: Und am Ende noch ein Gruppenfoto mit „White-Power“-Gruß

Mitte Juli lud Jürgen Wirth Anderlan zahlreiche Mitglieder der Neonazi-Gruppe „Aktverein“ zu einem Treffen zu sich nach Hause ein. Das Treffen hatte einen politischen Charakter – inklusive Gruppenfoto mit „White-Power-Gruß“. Der „Aktverein“ ist eine junge, gewaltaffine Gruppe, die online mit Nazi-Verherrlichung wirbt. Wir fordern: Mit diesem Treffen hat Anderlan wieder einmal gezeigt, wo er steht; gegen die Neonazi-Gruppe muss aktiv vorgegangen werden.

Aktuelles Bild- und Videomaterial belegt enge Kontakte des Südtiroler Landtagsabgeordneten Jürgen Wirth Anderlan (Liste JWA) zur rechtsextremen Gruppierung „Aktverein Kaltern“. Neben seiner öffentlichen Unterstützung für Akteure der sogenannten Neuen Rechten (Einladung des Identitären-Sprechers Martin Sellner 2025) belegen neu aufgetauchte Aufnahmen sowohl öffentliche als auch private Zusammentreffen des Politikers mit Mitgliedern der rechtsextremen Vereinigung.

NS-Propaganda und rechtsextreme Symbolik

Seit August 2025 existiert in der Gemeinde Kaltern eine aktive rechtsextreme Jugendgruppe namens „Aktverein Kaltern“ (wir berichteten), die ihre Aktivitäten regelmäßig in den sozialen Netzwerken dokumentiert. Auf Instagram teilen die Mitglieder Inhalte mit Bezug zum Nationalsozialismus, darunter Propagandagrafiken aus der NS-Zeit und SS-Symbole. Letztere werden auch in Form von Aufklebern im Gemeindegebiet verbreitet.

Bei Gruppentreffen zeigen die Jugendlichen wiederholt den Hitlergruß sowie das bereits genannte „White Power“-Handzeichen. Fotos davon werden auf Social Media verbreitet. Auf einer der Aufnahmen ist ein Hakenkreuz-Tattoo auf der Brust eines Mitglieds zu sehen.  Ob echt oder nicht – die Botschaft ist unmissverständlich. Die Vermutung liegt nahe, dass Hakenkreuz-Schmierereien auf Ortsschildern (z. B. St. Pauls im Juni 2026) auch auf das Konto der Gruppe gehen. In den letzten Monaten hat sich die Gruppe stark radikalisiert und verbreitet nun offen rassistisches, völkisch-nationales und queerfeindliches Gedankengut. So unterstützte sie auch die „Remigrations“-Demonstration der faschistischen CasaPound-Gruppe in Bozen.

Die Gruppierung ist aufgrund gewalttätiger Übergriffe und Sachbeschädigungen polizeibekannt. Strafbescheide werden wie Trophäen gesammelt und im Netz veröffentlicht – inklusive der Namen von ermittelnden Carabinieri-Beamten. Der „Aktverein“ besteht zum Großteil aus in Kaltern und Umgebung ansässigen jungen Männern und Jugendlichen. Nachdem die Neonazis ihr Profil sowie alle Beiträge privat stellten, war es antifaschistischen Aktivist:innen weiterhin möglich, das Profil einzusehen und neues Material zu sichern.

Ein Beitrag, den die Gruppe bereits im Jahr 2025 geteilt hat. Mit Masken bekleidet verbrennen sie einen Medienartikel, der über sie geschrieben wurde.

Zusammentreffen mit Anderlan beim Dorfturnier

Aus Recherchen geht hervor, dass die Gruppe vor kurzem mit einer eigenen Mannschaft beim Kalterer Dorfturnier teilnahm. Die selbst gestalteten Trikots waren mit einschlägigen rechtsextremen Symbolen bedruckt: Auf der Rückseite befanden sich die Zahlen 88 und 44 – bekannte Codes für „Heil Hitler“ und die „Wolfsbrigade 44“.

Trotz dieser rechtsextremen Codes auf den Trikots durfte die Gruppe an dem Turnier teilnehmen. Die Veranstalter müssen sich die Frage gefallen lassen, wie es möglich sein konnte, dass bei dem Fußballturnier rechtsextreme Propaganda betrieben werden konnte.

Am Rande dieser Sportveranstaltung kam es zu Begegnungen mit Jürgen Wirth Anderlan. Bildmaterial belegt, wie der Politiker zunächst neben der Gruppe und deren Fahne auf dem Spielfeld posiert. Auf einem darauffolgenden Selfie mit einem der Jugendlichen zeigt Wirth Anderlan selbst das „White Power“-Handzeichen in die Kamera – ein internationales Erkennungszeichen von Rechtsextremen, mit dem die rassische Überlegenheit zum Ausdruck gebracht wird. Populär gemacht wurde das Symbol durch den rechtsextremen Massenmörder von Christchurch 2019.

Privates Treffen mit Neo-Nazis bei Anderlan

Mitte Juli kam es zu einem weiteren, privaten Treffen. Ein Foto zeigt Wirth Anderlan gemeinsam mit neun Mitgliedern der Gruppierung an einem Tisch sitzend. Neben Getränken und Zigaretten sind auf dem Tisch auch Aufkleber des „Aktvereins“ zu sehen. Durch den Vergleich mit Videos, die Wirth Anderlan selbst über die Jahre auf Instagram geteilt hat, lässt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit schließen, dass die Fotos bei ihm zu Hause entstanden sind.

Das Treffen hatte einen politischen Charakter, wie Bildaufnahmen belegen: Ein vorliegendes Foto zeigt Wirth Anderlan zusammen mit acht Mitgliedern der Gruppe, vor ihnen liegt Werbematerial des „Aktvereins“. Sowohl der Politiker als auch mehrere der anwesenden Jugendlichen zeigen auf dem Gruppenfoto das rechtsextreme „White Power“-Zeichen. Offenbar versucht Anderlan gezielt Mitglieder im rechtsextremen Milieu zu rekrutieren. Auf Social Media machte der „Aktverein“ im Anschluss Werbung für die Liste JWA. Während Anderlan antifaschistische Initiativen als „Linksterroristen“ bezeichnet, sucht er offenbar gezielt die Zusammenarbeit mit Neonazi-Gruppen.

Anderlan mit Aktverein-Mitglieder bei sich zu Hause: Verbrüderung mit Bier und rassistische Handzeichen

Die Existenz und das Auftreten der Gruppierung sind in Kaltern seit Längerem bekannt. Neben regionalen Jugendorganisationen haben auch die Ortspolizei, die Carabinieri sowie lokale Sicherheitsdienste wie die STS Kenntnis von der Gruppe. Der Bürgermeister wurde bereits vom ORF um eine Stellungnahme gebeten, lehnte diese damals jedoch ab. In den vergangenen zwei Jahren berichteten verschiedene Medien mehrfach über die Jugendlichen, unter anderem im Zusammenhang mit Vandalismus und gewalttätigen Vorfällen. Neben Online-Portalen griffen auch Printmedien und Fernsehreportagen wie das ORF Südtirol die Thematik auf. Es ist daher stark davon auszugehen, dass auch dem in Kaltern wohnhaften Jürgen Wirth Anderlan der rechtsextreme Hintergrund der Gruppe vollumfänglich bekannt war.

Unterstützer der extremen Rechten

Jürgen Wirth Anderlan ist ein Südtiroler Landtagsabgeordneter, der sich auf seiner eigenen Website selbst als rechtsextrem bezeichnet und regelmäßig durch entsprechende Rhetorik auffällt. Er unterstützt öffentlich diverse rechtsextreme Gruppierungen, Vereine und Akteure. So lud er beispielsweise im Mai 2025 den österreichischen Rechtsextremisten Martin Sellner nach Südtirol ein, um dessen Buch zu präsentieren (wir berichteten).

Sellner war lange Sprecher der Identitären Bewegung Österreichs. Er ist als Akteur der Neuen Rechten bekannt und propagiert offen rassistische, völkische und antisemitische Positionen. Mehrere Staaten haben bereits unbefristete oder temporäre Einreiseverbote gegen ihn verhängt.

Nach dem Terroranschlag auf zwei Moscheen in Christchurch am 15. März 2019 wurden gegen Sellner Vorwürfe der Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung erhoben, da er vom Täter eine Spende in Höhe von rund 1.500 Euro erhalten hatte. Sellner distanzierte sich zwar von dem Attentäter und erklärte, mit dem Anschlag nichts zu tun zu haben, räumte jedoch ein, mehrfach mit ihm in Kontakt gestanden zu haben.

Auch der Südtiroler Gruppierung „Junge Aktion“ hält Wirth Anderlan weiterhin die Treue. Diese war lange mit NS-verherrlichenden Aufklebern und dem „White Power“-Handzeichen (einem oft verwendeten Schlüsselbegriff in der Neonazi-Szene) auf Instagram präsent, bevor ihr Profil wegen Hassrede gesperrt wurde.

Im Hintergrund dieser Südtiroler Gruppierung ist vermutlich auch Wirth Anderlans enger politischer Mitarbeiter Raphael Mayrhofer aktiv (wir berichteten). Als Fraktionsmitarbeiter ist er seit einigen Jahren für Wirth Anderlans politischen Kurs mitverantwortlich. Ideologisch gilt Mayrhofer als völkischer Nationalist und Rechtsextremist, der sowohl mit der Osttiroler Neonazi-Szene als auch mit italienischen Neofaschisten vernetzt ist.Die aktuellen Recherchen zeigen, dass Wirth Anderlan nicht nur die Neue Rechte unterstützt, sondern auch direkte Kontakte ins Neonazi-Milieu pflegt.

Die Gruppe zeigt erneut sarkastisch Medienberichte über sich selbst auf. Darauf folgt eine Mischung aus Videos, die den Hitlergruß und verschiedene Drogen zeigen.

Instrumentalisierung der Demokratie

Vor Kurzem wurde auf dem Blog der Antifa Meran ein weiterer Beitrag veröffentlicht. Dieser zeigt auf, wie Wirth Anderlan mit unaufhörlichen Landtagsanfragen ein demokratisches Instrument für Hetze instrumentalisiert und missbraucht. Auf diesen Artikel reagierte der Politiker zunächst auf seiner Website und im Anschluss – ironischerweise – mit einer weiteren Anfrage an den Landtag. Er ging dabei jedoch kaum auf die inhaltliche Kritik ein, sondern empörte sich hauptsächlich über die Musikauswahl des dazugehörigen Instagram-Posts.

Der Widerspruch ist vielsagend: Während er die Antifa pauschal als „Linksterroristen“ diffamiert, lädt er Rechtsextreme und Neonazis, die öffentlich zu Gewalt und Terrorismus aufrufen, zu sich nach Hause ein. Jürgen Wirth Anderlan ist ein demokratisch gewählter Abgeordneter, der vermutlich bei der nächsten Landtagswahl 2028 wiedergewählt werden könnte. Durch seine offene Unterstützung für rechtsextreme Parteien, Vereine und Gruppierungen lässt sich jedoch mittlerweile ein klares Fazit ziehen: Er ist nicht nur selbst rechtsextrem und ein Förderer von Akteuren, die noch radikaler sind als er, sondern er agiert zutiefst antidemokratisch. Gegen die rechtsextreme Agitation im Landtag und auf der Straße braucht es endlich klare Antworten aus Politik und Zivilgesellschaft, und keine weitere Akzeptanz.

Insgesamt scheint die Gruppe entschlossen zu sein, ihre Haltung nicht zu ändern. In dem Video heißt es: „Wir werden unsere Ideologie niemals ändern.“ Erneut zeigen sie Medienberichte über sich auf, und filmen sich selbst beim vergehen von Straftaten.

Weitere Informationen: Bericht vom Februar 2026 (Gewalt, Hass, SS-Symbole: Rechtsextreme Jugendgruppe in Kaltern)


PRESSEMITTEILUNG VOM 7.8.2026

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„Gefährliches“ Flugblatt? – Polizei in Bozen außer Kontrolle

Wir verurteilen das Vorgehen der Polizei gegen eine Mitarbeiterin des NOI-Techparks scharf. Ihre polizeiliche Registrierung stellt einen Angriff auf die Meinungs- und Versammlungsfreiheit dar. Der Versuch, kritische Stimmen durch Einschüchterung und Anzeigen zum Schweigen zu bringen, ist nicht akzeptabel und muss ein Ende finden.

Wie in einem Salto-Artikel berichtet wurde, verteilte die Frau am Mittwochabend  im NOI-Techpark kritische Flugblätter zu Innenminister Piantedosi, welcher in Südtirol Halt machte. Der Inhalt des Flugblattes prangert seine Migrationspolitik und Einschränkungen der Meinungsfreiheit, besonders bei Protesten, durch das neue Sicherheitsdekret ddl 1660, an. Zudem wurde auf internationale Konflikte und Italiens Waffenlieferungen, darunter die Situation in Israel und Palästina, verwiesen.

Der Text des Flugblattes. Quelle: Salto

Die Frau wurde erst von Beamten in Zivil (politische Polizei Digos) befragt und später zur Polizeistation gebracht, wo sie fotografiert wurde und ihre Fingerabdrücke abgenommen wurden. Sie erwartet nun eine Strafe wegen „nicht genehmigter Verteilung von Flugblättern“ und wird zudem als „verdächtige und potenziell gefährliche Person“ eingestuft. Sie sei zum ersten Mal in eine solche Situation geraten und fühle sich durch das Vorgehen der Behörden eingeschüchtert.

Welle der Repression gegen linke Proteste

Dies ist einer der vielen Versuche, emanzipatorische, linke Aktionen in Bozen zu kriminalisieren. Besonders in den letzten Monaten gab es für politisch aktive Menschen Platzverweise, Demonstrationsverbote, Anzeigen und angedrohte Entlassungen zweier Pädagogen.

Hier hat die politische Repression in Südtirol einen neuen Höhepunkt erreicht. Neofaschisten, deutsche Rechte und autoritäre Polizeikräfte wie der neue Quästor Sartori arbeiten Hand in Hand. Im Namen von „Prävention“ und „Sicherheit“ wird Südtirol immer mehr zum Polizeistaat.

Wir zeigen uns solidarisch mit den Betroffenen. Gegen politische Einschüchterung und Repression. Lasst euch nicht unterkriegen!

Weiterführende Links:
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Burschenschafter-Treffen im Hinterzimmer: „Die Bevölkerung wird hinters Licht geführt“

Foto: daklebtwas

Die überwiegend rechtsextreme Deutsche Burschenschaft ist in Südtirol nicht willkommen. Trotzdem hält der Verband an der Tagung in Algund fest und will sie unter falschem Namen in einem anderen Lokal durchführen.

Die Ewiggestrigen zeigen sich wieder einmal so unbelehrbar wie hinterlistig und versuchen dreist und verzweifelt einen Fuß in die Tür zu bekommen. Dabei sprechen die Ausladung durch die Gemeinde Algund und die Ablehnung in der Bevölkerung eine klare Sprache: Rechtsextremisten sind in Südtirol nicht willkommen – die Deutsche Burschenschaft ist nicht willkommen.

Wie aus einem internen Rundschreiben des Verbandes hervorgeht, plant die Deutsche Burschenschaft den Höhepunkt des Treffens – den „Tirol-Kommers“ – am Samstag, 16. September, weiterhin im Algunder Raum durchzuführen. Eine entsprechende private Räumlichkeit wurde vom Verband über einen Tarnverein bereits gebucht, die Feier soll im Geheimen stattfinden, mit Bier und politischen Reden.

Die Anreise aus Deutschland und Österreich soll teilweise mit Bussen stattfinden. Laut Informationen sollen Vertreter der Südtiroler Freiheit, der Freiheitlichen und der Schützen auf der Veranstaltung eine Rede halten: Faschismus stört offenbar nur, wenn er italienischsprachig ist.

Einen Begrüßungsabend vor dem Treffen in Südtirol soll am Freitag, den 15. September, in München stattfinden. Für die Burschenschaften, die zu dem Zeitpunkt schon in Südtirol sind, soll eine Willkommensfeier im Meraner Raum organisiert werden.

Gastwirt:innen im Burggrafenamt sind aufgefordert, genau hinzusehen, wer für diesen Abend Räumlichkeiten gebucht hat. Niemand wird ein Interesse daran haben, sich alkoholisierte Neonazis und Faschistenfreunde ins Haus zu holen – und damit womöglich ein unberechenbares Sicherheitsrisiko einzugehen.

Die Deutsche Burschenschaft ist ein Dachverband von überwiegend rechtsextremen Studentenverbindungen aus Deutschland und Österreich. Die ursprünglich dreitägige Verbandstagung im Thalguterhaus in Algund wurde nach öffentlicher Kritik durch die Gemeinde untersagt. Zahlreiche Gruppen und Einzelpersonen sprechen sich gegen das Treffen in Südtirol aus.

Der Burschenschaftsspuk ist noch nicht vorbei

Von verzweifelten Rechtsklagen und unglaubwürdigen Diffamierungsversuchen

Die Ausladung der Deutschen Burschenschaft aus dem Thalguterhaus war wichtiges Zeichen der Gemeinde, dass rechtsextreme Gesinnung nicht toleriert wird. Wir freuen uns über die klare Position von Vizebürgermeisterin Ganner, die von Anfang an gegen die Durchführung des Treffens war und sich deutlich positioniert hat. Algund ist damit nicht allein: Im Jahr 2013 versuchte die DB in Innsbruck, ihre Verbandstagung in städtischen Räumlichkeiten abzuhalten – auch damals wurde ihnen gekündigt. Genauso wie 2019 in der Nähe von Colmar. Die Protest-Aktion in Südtirol war in vielen Teilen ein Erfolg.

 

In ihrer Pressemitteilung zeigt die deutsche Burschenschaft wieder einmal, dass ihr außerhalb einiger polemischer Kampfbegriffe nur heiße Luft bleibt. Die Versuche, kritische Stimmen als „antidemokratisch“ oder gar „terroristisch“ zu diffamieren, ohne dabei inhaltlich auf die Kritik einzugehen, ist ein verzweifelter populistischer Versuch von den eigentlichen Vorwürfen und Verstrickungen abzulenken. Für uns bleibt weiterhin klar: Aktiver Protest ist Teil demokratischer Meinungsbildung und zeugt von zivilgesellschaftlichem Engagement.

 

Hier eine Einschätzung von uns, wie es weitergehen könnte:

Was sicher ist, die DB hält weiter an ihrem Treffen in Algund – entgegen dem Wunsch der Gemeinde – fest. Das sagt sie in einer Aussendung. Zudem habe sie gegen die „widerrechtliche einseitige Kündigung durch das Thalguterhaus“ rechtliche Schritte durch eine Bozner Anwaltskanzlei eingeleitet. Schützenhilfe bekommen sie durch Rechtsanwalt Otto Mahlknecht, Vizeobmann der Freiheitlichen.

  • Szenario 1: Möglich wäre, dass die DB den Rechtsstreit mit der Gemeinde gewinnt und ihre Veranstaltung trotzdem im Thalguterhaus veranstalten kann.
  • Szenario 2: Die Veranstaltung der DB findet in einer anderen öffentlichen Lokalität im Burggrafenamt statt. Davon auszugehen ist, dass die Burschenschafter schon fleißig am Suchen sind. Zumindest scheint es schon Bürgermeister zu geben, die dem nicht abgeneigt wären. (Artikel 1, Artikel 2)
  • Szenario 3: (Am wahrscheinlichsten) die Veranstaltung findet unter dem Radar in einem (vielleicht auch privaten) Ausweichraum im Raum Burggrafenamt statt, welcher nicht öffentlich mitgeteilt wird.
  • Szenario 4: Die Veranstaltung wird aufgrund von Sicherheitsbedenken von den Behörden abgesagt.

Die DB hat ein klares Zeichen erhalten, dass viele Menschen hier keine rechtsextremen Ideen teilen und dass ihnen Räume nicht einfach so zur Verfügung gestellt werden.

Der Nationalsozialismus brachte Millionen von Menschen Vernichtung, Krieg und Vertreibung. In Südtirol gab es sowohl Opfer als auch Täter, da die kleine Provinz unter den Auswirkungen zweier faschistischer Regime litt. Angesichts dieser Geschichte tragen wir eine besondere Verantwortung, uns klar von rechtsextremen und völkischen Positionen zu distanzieren und sie aus dem öffentlichen Raum zu drängen. Als Sammelbecken teils rechtsextremer Burschenschaften hat die DB in einer offenen, bunten und solidarischen Gesellschaft keinen Platz.

 

Quelle: nrwz.b-cdn.net

Wir ermutigen die Gemeinde Algund, Bürgermeister Gamper und Vizebürgermeisterin Ganner, weiterhin an der Kündigung festzuhalten.
Die Menschen in Südtirol rufen wir dazu auf, deutlich Position zu beziehen und den Rechtsextremen keine Unterkunft oder Treffpunkte zu gewähren. Zivilgesellschaftliche und politische Gruppen sind aufgerufen, den Protest gegen die Veranstaltung zu unterstützen und sich daran zu beteiligen.

 

Die Sorge, dass die Burschenschafter dennoch in Südtirol zusammenkommen könnten, besteht weiterhin. Daher ist es wichtig, auf allen Ebenen zu zeigen, dass sie hier nicht willkommen sind. Wir möchten keinen Raum für Menschen bieten, die den Nationalsozialismus verherrlichen, menschenverachtende Ideologien unterstützen oder sich auf „Ariernachweise“ beziehen.

 

Burschenschafter-Treffen abgesagt: „Mehrheit gegen Rechtsextremismus!“

Quelle: Dresdner Neueste Nachrichten

Wir begrüßen, dass die Gemeinde Algund gestern der Verbandstagung der Deutschen Burschenschaft im Thalguterhaus eine Absage erteilt hat. Nachdem wir bereits vor fast einem Monat  – am 13. Juni  – öffentlich auf die Hintergründe aufmerksam gemacht haben war dieser Schritt längst überfällig.

Die letzten Tage haben gezeigt, dass es in Südtirol breite und engagierte Kräfte gegen Rechtsextremismus gibt. Zahlreiche Einzelpersonen und Gruppen aus allen Bezirken haben sich in Leser:innenbriefen, Kommentaren und Aussendungen öffentlich gegen das rechtsextreme Treffen ausgesprochen. Es war wertvoll zu sehen, dass sich eine Mehrheit der Menschen klar gegen Rechtsextremismus und Menschenfeindlichkeit positioniert hat.

Uns hatten in den letzen Wochen E-Mails von Anwohner:innen erreicht, die sich solidarisierten, verschiedenste Wissenschaftler:innen haben sich kritisch geäußert. Die Eine-Welte Gruppe Algund, der Verband ANPI und Vertreter:innen der Grünen haben sich dagegen positioniert und in Teilen auch Protest angekündigt. Vizebürgermeisterin Ganner selbst hat von Beginn an das Treffen nicht stattfinden lassen wollen und wir freuen uns über eine so klare Position gegenüber rechter Ideologien.

Wir bedanken uns bei allen engagierten Menschen, die sich aktiv und mutig an der Auseinandersetzung beteiligt haben und gezeigt haben, dass Antifaschismus bedeutet gemeinsam zusammanzustehen gegen rechte Umtriebe und völkisches Denken. Die Absage ist ein Erfolg dieser gemeinsamen Anstrengung: Antifaschismus wirkt! Jetzt gilt es wachsam zu bleiben und weiteren Versuchen der Burschenschaften, in Südtirol aufzumarschieren, ebenso entschlossen entgegenzutreten.

Zurückzuweisen ist jedoch die Behauptung, es hätte Drohungen von antifaschistischen Gruppen gegeben. Richtig ist, dass von verschiedener Seite Proteste gegen das Treffen angekündigt wurden. Die Algunder Gemeindeleitung sollte hier noch etwas recherchieren, dann wird sie erkennen, dass Protestformen wie Kundgebungen oder Demonstrationen Teil einer lebendigen Demokratie sind.

 

Burschenschafter-Treffen in Algund: „Nicht kommentarlos hinnehmen“  

Die Antifa Meran bedauert, dass sich Teile der Algunder Gemeindeleitung noch immer nicht der Tragweite des Burschenschafter-Treffens bewusst sind. „Während sich Vizebürgermeisterin Ganner-Laimer und Verwalterin Pichler gegen die Veranstaltung im Vereinshaus aussprechen, zeigen andere leider nicht so viel Rückgrat“, heißt es in einer Aussendung.
 
„Expert:innen, Historiker:innen und lokale Gruppen haben sich klar gegen das Treffen positioniert. Jetzt ist die Gemeinde am Zug. Sollte sie entgegen jeder Vernunft am Vernetzungstreffen rechtsextremer Burschenschaften festhalten, werden wir das keinesfalls kommentarlos hinnehmen“, betont die Antifa Meran. 
 
Die Rechtsextremismus-Expert:innen Natascha Strobl und Andreas Peham aus Wien bestätigen die Kritik der Antifa Meran. Die Südtiroler Historiker Hans Heiss und Hannes Obermair und der Politologe Thomas Kobler betonen ebenfalls die Problematik der rechtsextremen Veranstaltung in Südtirol. Die Eine-Welt-Gruppe Algund und die antifaschistische Vereinigung ANPI fordern die Absage des Treffens. „Die Gemeinde kann sich nicht länger auf Unwissenheit hinausreden“, so die Antifa Meran.
 
Nachdem die Verantwortlichen in Algund seit einigen Wochen immer noch damit beschäftigt sind, ‚nachzulesen‘ und über die Deutsche Burschenschaft ‚zu recherchieren‘, hat die Antifa Meran als Entscheidungshilfe einige Kritikpunkte in einem Video zusammengefasst.

„Es wird nicht ausreichen, lediglich zu recherchieren, wer bei der Tagung referiert, ohne die Deutsche Burschenschaft als demokratiefeindliche Struktur zu erkennen: „Sie ist ein Sammelbecken aus völkischem Nationalismus, elitärer Ideologie und rechtsextremem Gedankengut, die organisatorisch teilweise von der AFD und FPÖ bis in die NPD und die Neonaziszene hineinreicht“, erklärt die Gruppe.
 
„Solche Treffen sind auch Vernetzungstreffen mit der örtlichen rechtsextremen Szene, daher muss die Gemeinde Algund hier Verantwortung und Haltung zeigen. Sollte das Treffen der Deutschen Burschenschaft nach der ganzen Debatte trotzdem stattfinden, kann und wird das nicht ohne Reaktion bleiben“, so die Antifa Meran.

Dialog mit Neonazis? | Update zum Burschenschafter-Treffen

Foto: Screenshot RAI Südtirol

Die Gruppe Antifa Meran kritisiert die Hinhaltetaktik des Algunder Bürgermeister Ulrich Gamper (SVP). Dieser hält weiterhin am Burschenschafter-Treffen im Thalguterhaus fest und ruft zum „Dialog“ auf. Statt Haltung zu zeigen, trägt er dadurch leider zur Verharmlosung von Rechtsextremismus und Neonazismus bei.

Zu den Hintergründen: Verbandstagung der Deutschen Burschenschaft in Algund

„Offensichtlich spielt BM Gamper auf Zeit, wenn er seit über zwei Wochen von der Problematik des Treffens weiß und immer noch Informationsbedarf sieht“, so die Antifa Meran. Gamper sollte lieber auf diejenigen hören, die sich wissenschaftlich mit diesen Gruppierungen auseinandersetzen. Forscher:innen sind sich einig, dass die Deutsche Burschenschaft Teil der extremen Rechten ist (Alexandra Kurth, Universität Gießen) und Neonazis nach Algund kommen werden (Andreas Peham, Wien).

„Die Gemeinde Algund trägt Verantwortung darüber, was in ihren Räumlichkeiten passiert. Wenn bei solchen Veranstaltungen, wie im letzten Jahr, Redner auftreten, die den Nationalsozialismus relativieren oder sogar verherrlichen, dann fällt das auf die Gemeinde und die Algunder Bevölkerung zurück“, erklärt die Antifa Meran.

Die Forderung des Bürgermeisters nach Dialog und Verständigung zeugt von fehlender Sensibilität für die Gefahren rechtsextremen Denkens: „Das einzige Gespräch, das diese Leute brauchen, ist das mit Sozialarbeitern und Deradikalisierungsexpertinnen.“

Burschenschafter sind teilweise mit der militanten, gewalttätigen Neonaziszene vernetzt. „Wenn Gamper zum Dialog mit den Burschenschaften aufruft und weiter an der Tagung im Thalguterhaus festhält, dann trägt er dazu bei, dass rechtsextremen Gedankengut in Südtirol Raum gegeben wird“, erklärt die Antifa Meran.

Aufs Schärfste zurückzuweisen ist zudem die Stellungnahme von Otto Mahlknecht (Freiheitliche) in einem Beitrag von RAI Südtirol, in dem er antifaschistische Positionen unbegründet diffamiert. Statt sich der Kritik zu stellen packt er die Hufeisentheorie aus: Nicht über das tatsächliche Anliegen wird gesprochen, nämlich rechtsextreme Burschenschafter und Neonazis in Südtirol zu beherbergen, sondern der Blick wird auf einen vermeintlichen ominösen Feind von links gerichtet.

Gleichzeitig werden in dem Beitrag falsche Behauptungen aufgestellt, die das Treffen legitimieren sollen. So heißt es in einem Fernsehbeitrag, der Journalist Kai Diekmann und der CSU-Politiker Peter Ramsauer seien Mitglieder der Burschenschaft Cimbria, die derzeit den Vorsitz der Deutschen Burschenschaft innehat. Alles halb so wild also? Richtig ist: Diekmann ist Mitglied der Burschenschaft Franconia, Ramsauer ist bei Franco-Bavaria. Ramsauer hat gegen die rechtsextremen Tendenzen der Deutschen Burschenschaft öffentlich protestiert, 2013 ist Franco-Bavaria aus der Deutschen Burschenschaft ausgetreten.

Hier wäre eine seriöse und angemessene Berichterstattung wünschenswert, die es schafft, Fakten von Polemiken zu trennen.

 

Nein zum rechtsextremen Burschenschafts-Treffen in Algund!

Es ist eines der größten Treffen völkisch-nationaler und rechtsextremer Burschenschaften im deutschsprachigen Raum – und soll in Algund stattfinden.

Vom 15. bis 17. September 2023 lädt der Dachverband Deutsche Burschenschaft ihre zum Großteil rechtsextremen Mitglieder zur „Verbandstagung“ nach Südtirol. Ort des dreitätigen Treffens: das Thalguterhaus der Gemeinde Algund. Das Rathaus und der Jugendtreff liegen direkt gegenüber, die Grundschule ist wenige hundert Meter entfernt. Der bis zu 500 Personen fassende Raiffeissensaal ist bereits angemietet.

Wir als Antifa Meran fordern die Leitung des Thalguterhauses sowie die Gemeinde Algund als Trägerin zum sofortigen Einlenken auf: „Rechtsextremismus darf in unserer Gesellschaft keinen Platz haben  – erst recht nicht in den Repräsentationsräumen einer Gemeinde.“

In Innsbruck versuchte die Deutsche Burschenschaft 2013, ihre Verbandstagung in Räumen der Stadt zu machen. Die ehemalige ÖVP-Bürgermeisterin damals: „Die Durchführung der Veranstaltung würde unseren Grundsätzen der offenen Aufarbeitung der Verbrechen des Nationalsozialismus widersprechen.“ Die Stadt kündigte den Vertrag, Tausende demonstrierten gegen Rechtsextremismus. Wir meinen: Algund soll dem Innsbrucker Beispiel folgen!

Wir rufen auch die Algunder Bevölkerung dazu auf, klar Stellung zu beziehen und den Rechtsextremen keine Übernachtungs- und Einkehrräume zu geben. Zivilgesellschaftliche und politische Gruppen sind aufgefordert, den Protest gegen die Veranstaltung mitzutragen.

Ankündigung in der Zeitschrift der Deutschen Burschenschaft (Quelle: Burschenschaftliche Blätter)


Hintergrundinformationen: Verbandstagung in Algund – um was geht es?

Vom 15. bis 17. September 2023 will die Deutsche Burschenschaft ihre jährliche Verbandstagung in Algund austragen. Mehrere hundert Mitglieder nehmen regelmäßig an diesen Treffen teil, zu denen Vortragende aus dem rechten und rechtsextremen Lager geladen werden.

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