Gewalttätiger Übergriff wegen „Hate Nazi“-Frisur

Am Wochenende kam es in Bozen in einer Bar zu einer rechtsextrem motivierten Gewalttat. Mehrere rund 40-jährige Rechtsextreme attackierten einen 15-jährigen Jugendlichen mit den Fäusten. Bemerkenswert: Die gerufene Polizei kam nicht.

Der Jugendliche berichtet, dass er am Samstag, den 20. September, auf einem Konzert in der Bikers Bar in der Industriezone gewesen ist. Er saß mit Freunden an einem Tisch, als ihn ein Mann wegen seiner Frisur zur Rede stellte. Auf dem Hinterkopf trug der 15‑Jährige die Aufschrift „HATE NAZIS“, um Stellung gegen Rechtsextremismus zu beziehen. Offenbar genügte das in Bozen, um zum Ziel von Gewalt zu werden. Nachdem der Mann gefragt hatte, „was so einer wie du hier macht“, wurde der Jugendliche gepackt, zu Boden gestoßen und von mehreren Männern ins Gesicht, auf den Kopf und den Rücken geschlagen. Einige Veranstalter stellten sich zwischen die Männer, sodass der Jugendliche sich in Sicherheit bringen konnte. Die Angreifer beschreibt er als etwa 40 Jahre alt.

„Ich habe sofort die Polizei gerufen und um eine Streife gebeten, weil ich mich nicht sicher fühlte und befürchtete, die Männer könnten erneut zuschlagen. Die Polizei erkundigte sich kurz nach meinem Befinden und riet mir, am nächsten Tag Anzeige zu erstatten. Niemand kam zum Tatort. Ich hatte mir Schutz vor Ort gewünscht.
Obwohl ich wusste, das auf dem Konzert Menschen mit anderer politischer Meinung sein konnten, fühlte ich mich anfangs nicht bedroht, weil Familien und viele junge Leute anwesend waren.
Am selben Tag wurde zudem an der Talferpromenade mein Fahrrad mit Hakenkreuzen beschmiert und ein Reifen mit einem Messer aufgeschlitzt.

Ich bin enttäuscht und besorgt. Es ist nicht akzeptabel, wegen meiner antifaschistischen Haltung um meine Sicherheit bangen zu müssen. Das wird mich jedoch nicht zum Schweigen bringen. Solche Vorfälle dürfen in Italien nicht mehr vorkommen.“

Faschistenführer als DJ

Dass die Bikers Bar mit rechtsextremen Umtrieben in Verbindung gebracht wird, ist seit längerem bekannt. Der Neofaschist und ehemalige Gemeinderatsabgeordnete Andrea Bonazza tritt unter dem Namen „DJ Bonny“ dort fast wöchentlich als DJ auf. Er spielt außerdem – mit DJ‑Sets oder mit seiner Band „No Prisoner“ – wiederholt auf Konzerten der rechten Szene im In‑ und Ausland.

Wie auf Instagram beworben, treffen sich auch Fans von Hockey Bolzano regelmäßig vor oder nach den Spielen in der Bar. Ein Teil dieser Fans stammt seit Langem aus dem Umfeld von CasaPound und der lokalen Neonazi‑Szene.

Bomberjacke gegen Kutte getauscht

Auf der Facebook oder Instagram-Seite der Bar zeigt sich, welches Publikum manche Veranstaltungen anziehen. Einige Neonazis, die in den 2000er‑Jahren im Burggrafenamt oder in Bozen aktiv waren, sind jetzt in Motorradclubs aktiv. Auf einem Bild (rechts) posiert ein Daniele P., ein Fascho aus Burgstall mit der Kutte des MC Löwen und einem Hakenkreuz‑Tattoo. Daneben (Links) ist Mirco C., ein Neonazi aus dem Raum Meran, zu sehen. Er nahm 2018 mit anderen Südtirolern am Neonazi‑Festival „Schild und Schwert“ in Ostritz teil. 

Motorradkutte und Hakenkreuz Tattoo – Gäste der Bikers Bar / Quelle Bikers_bar_bz Instagram


Ist den Verantwortlichen der Bar das egal, gleichgültig, oder ist man – wie so oft in Bozen – auf dem rechten Auge blind?

JWA-Berater: Für die „weiße Rasse“, gegen Juden

Er ist „stolz auf die Blutlinie“: Jürgen Wirth-Anderlans enger politischer Mitarbeiter verbreitet online Antisemitismus und Rassenideologie.

Raphael Mayrhofer aus Brixen ist seit 2024 politischer Berater und Mitarbeiter der Liste JWA von Jürgen Wirth-Anderlan. Er ist vermutlich auch bei der „Jungen Aktion“ im Hintergrund aktiv.

Zeitlebens hatte sich Alexander Langer (+ 2015) kritisch mit Identität und Heimat beschäftigt. So wie andere Linke auch. Nach Raphael Mayrhofer hat jedoch Langers angebliche „Vaterlandslosigkeit“ mit seinen „jüdischen Wurzeln“ zu tun.

Im Antisemitismus hat die Vorstellung der Juden als „vaterlandslosen Gesellen“ eine lange Tradition. Der antisemitische Vorwurf: Juden „fühlten sich den Ländern, in denen sie lebten, nicht patriotisch verbunden und seien deshalb jederzeit zum Verrat bereit.“ (Ossietzky, 02.06.2007)

Die Behauptung, es gäbe eine „Diktatur der Hochfinanz“, ist antisemitisch und unter Rechtsextremen verbreitet. In der NS-Propaganda war die „internationale Hochfinanz“ ein häufiges Schlagwort.

Mayerhofer spricht offen von der „weißen Rasse“. Jede Partei – und damit auch die Liste JWA – brauche ein „Bekenntnis zu Volkserhalt, Rasse und biologischer Weltanschauung“.

Das Judentum gehört für Mayrhofer nicht zu Deutschland. Die AfD solle laut Mayerhofer nicht „Juden umgarnen“,denn „Deutschland ist das Land der Deutschen“.

Wir sagen: Gegen staatlich finanzierten Rassismus und Antisemitismus braucht es entschlossenen Widerstand! Kein Steuergeld für rechtsextreme Hetze!

Queers for Palestine! | Gastbeitrag

[Segue il testo in italiano.]

Folgender Text ist ein Reaktion auf den Blogbeitrag „Pride – vom Fluss bis zum Meer?“ von Simon Constantini, vom 29. Juni 2025.

Der Text von Simon Constantini diskreditiert zumindest Teile der Bozner Pride 2025 aufgrund ihrer Palästina Solidarität und wirft der Demo Antisemitismus vor. 

Dieser Vorwurf des „israelbezogenen Antisemitismus“ ist höchst umstritten und steht schon lange in der Kritik. Führende Antisemitismusforscher:innen, jüdische & palästinensische Gruppen und Rechtswissenschaftler:innen kritisieren die sogenannte IHRA-Definition, während die rechtsextreme israelische Regierung und deren Unterstützer:innen sie für die Verteidigung israelischer Völkerrechtsbrüche heranziehen. Sie tun dies indem sie diese Definition von Antisemitismus zur Kriminalisierung von ihren Kritiker:innen nutzt.

Die Bozner Palästina-Solidaritätsbewegung hat diese Kriminalisierung längst zu spüren bekommen. Seit Monaten werden Aktivist:innen sogenannte Städteverbote (fogli di via) ausgesprochen, teilweise für die Städte in denen sie aktiv sind oder in denen ihre Familien wohnen. Beispielsweise können sie dann offiziell mehrere Jahre nicht mehr nach Bozen oder Meran. Zwei Pädagog:innen an Südtiroler Schulen wurde die Entlassung angedroht, weil sie sich an Solidaritätsveranstaltungen für Palästina beteiligt hatten. Um nur zwei Beispiele zu nennen. 

Constantini kritisiert die Fahne „No Pride in Genocide“. Dass Israel in Gaza einen Genozid verübt, darin sind sich mittlerweile etliche Völkerrechtler:innen, Genozidforscher:innen und UN-Expert:innen einig. Queerness ist nun mal auch eine politische Identität und die Bezugnahme auf realpolitische Ereignisse, wie zum Beispiel dem aktuellen Genozid, kein Widerspruch in sich. 

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Naturfreunde-Funktionär auf rechtsextremen Abwegen

Update 23.1.2026: Stefan Rainer ist nun auch offiziell nicht mehr im Vorstand der Naturfreunde Jenbach. Nach Bekanntwerden seiner rechtsextremen Verstrickungen im Frühjahr wurde sein Name rasch von der Webseite gelöscht. Im November fand dann die Neuwahl des Vorstandes statt. Es bleibt fast alles beim Alten: Die Funktion des Schriftführers, die Rainer über Jahre innehatte, wurde jedoch neu besetzt. Eine offizielle Stellungnahme durch die Ortsgruppe gab es nicht, der Vorfall wurde – typisch österreichisch – unter den Teppich gekehrt.

Auf Instagram hatte der Bundes-Kanal der Naturfreunde im Juni die Kritik an den rechtsextremen Verbindungen des Vorstandsmitglieds als „Hetze“ und „öffentliche Anprangerung“ bezeichnet. Anstatt Verantwortung zu übernehmen und zu fragen, wie es sein kann, dass Rechtsextreme in Leitungspositionen kommen konnten, wurden die Kritiker:innen diffamiert. Es bleibt zu hoffen, dass der Verband in anderen Problemfällen umsichtiger reagiert und nicht jene angreift, die auf die Missstände hinweisen.


Der Naturfreunde-Funktionär aus Jenbach in Tirol ist offenbar tiefer in der rechtsextremen Szene verankert als bislang bekannt. Zu Südtirol bestehen gute Verbindungen.

Die Antifaschistischen Bergfreund:innen aus Innsbruck hatten den Fall öffentlich gemacht.

Fotos des Presseservice Wien zeigen Stefan Rainer (Vorstandsmitglied bei den Naturfreunden Jenbach) bei einer Demonstration der rechtsextremen „Identitären“ im Juli 2021 in Wien.

Rainer ist dort neben Benjamin Kranzl und Christian Unterberger zu sehen, die zu dieser Zeit für die rechte Splittergruppe „Liste Kranzl“ im Schwazer Gemeinderat saßen.

Kranzl und Rainer sind über die Gruppe Haymon gut nach Südtirol vernetzt: zur Südtiroler Freiheit und zur Jungen Aktion.

Die Kundgebung hatte sich gegen das Verbot der Symbole der „Identitären Bewegung“ gerichtet. Die Teilnahme verdeutlicht die Unterstützung für die rechtsextreme Gruppierung.

An der Demonstration beteiligten sich etwa 500 Personen aus mehreren Ländern. Vertreten waren zahlreiche Ableger der neofaschistischen „Identitären“.

Auch mehrere Neonazigruppen wie etwa die „Tanzbrigade“ aus Wien, „Werra Elbflorenz“ aus Dresden sowie mindestens ein Neonazi aus den Reihen der rechtsterroristischen Gruppe „Sächsische Separatisten“ waren anwesend, wie der Presseservice berichtet.

Quelle und Fotos: https://presse-service.net/2021/07/31/wien-demonstration-der-identitaeren-31-07-2021/

Stefan Rainer und der Vorstand der Naturfreunde Jenbach bei einem Vortrag von Alexander Huber im VZ Jenbach am 9.11.2023

Im Folgenden sind die Rechercheergebnisse der Antifaschistischen Bergfreund:innen Innsbruck ergänzt, die wir mit freundlicher Genehmigung hier veröffentlichen können.

No go: Rechtsextrem und im Vorstand der Naturfreunde

Die Naturfreunde sind ein alpiner Verein in Österreich, der sich seinem Selbstverständnis nach im Statut zu „Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit und Solidarität“ bekennt. Offenbar wird das nicht immer ganz genau genommen: In Tirol ist ein Rechtsextremer im Vorstand einer Ortsgruppe.

Im neunköpfigen Vorstand der Naturfreunde-Ortsgruppe Jenbach sitzt auch der 36-jährige Stefan Rainer aus Schwaz. 

Rainer ist nicht nur in der FPÖ-nahen Corona-Demo-Szene aktiv. Er ist auch ein langjähriger Weggefährte des rechten Polit-Aktivisten Benjamin Kranzl (3). 

Zusammen gehören sie dem Vorstand der rechtsextremen Gruppe „Haymon“ an (4). Sie gilt als Vorfeld-Organisation der neofaschistischen „Identitären Bewegung“ und lädt immer wieder rechtsextreme Szene-Größen nach Tirol ein. So trat z. B. vor zwei Jahren der Rassist Erik Ahrens bei einer Haymon-Veranstaltung als Redner auf.

Rainers rechte Einstellung zeigt sich auch daran, dass er rassistische Propaganda der Identitären in sozialen Netzwerken teilt (1, 2, 6) und regelmäßig rechte Veranstaltungen besucht. Fotos zeigen Rainer bei einem Vernetzungstreffen der Identitären in Steyregg in Oberösterreich im September 2023 (5).

Eine rechtsextreme Einstellung bei sozialen Verantwortungsträgern ist nicht tolerierbar und sollte mit den Werten der Naturfreunde auch nicht vereinbar sein. 

Darum fordern wir den Vorstand der Ortsgruppe Jenbach unter dem Vorsitz von Markus Schmidhofer zu sofortigen Konsequenzen und den Ausschluss des Mitglieds Rainer auf: Nazis raus aus den alpinen Vereinen! Berg frei!

Bildquellen:
1, 2, 6) Facebook: Stefan.Rainer.10
3) Twitter: Haymon_Tirol
4) ZVR-Registerauszug, archiviert unter https://www.stopptdierechten.at/
5) Presseservice Wien, presse-service.net

Rechtsextremes Treffen in Mailand: Angst vor Antifaschismus

Was als rechtsextremer „Gipfel von Mailand“ angekündigt war, endete in einem stickigen Theatersaal des Städtchens Gallarate in der lombardischen Provinz. Auch Rechtsextreme aus Südtirol waren dabei. In Mailand zogen indes über 2.000 Antifaschist:innen hinter dem Banner „Make Europe Antifa Again“ lautstark durch die Innenstadt. 

Italienische Neofaschisten luden nach Mailand

Dass sich Südtiroler Rechte und italienische Faschisten die Hand schütteln, kommt nicht oft vor. Der letzte Samstag (17.5.) zeigte wieder einmal: Hass vereint, Rassismus verbindet.
Anlass war das als „Remigrations-Gipfel“ propagierte Treffen von Rechtsextremen aus mehreren europäischen Ländern. 
Organisiert wurde der Kongress von der italienischen Gruppe „Azione Cultura Tradizione“ und dem Aktivisten Andrea Ballarati, einem ehemaligen Mitglied der Jugendorganisation der Partei Fratelli d’Italia. Die neofaschistische Gruppe „CasaPound“ nahm zwar nicht teil, erklärte jedoch ihre Unterstützung für die Veranstaltung.
Trotz ihrer ansonsten konträren Vorstellungen von „Volkszugehörigkeit“ eint die rechtsextremen Deutschen und die italienischen Faschisten der gemeinsame „Feind“ von außen.

Angst vor antifaschistischem Protesten

Das Treffen hätte eigentlich in Mailand stattfinden sollen. Nach angekündigten Protesten und Absagen suchten die Rechten lange vergebens nach einem Veranstaltungsort. Kurzfristig wurden die Teilnehmer:innen informiert, dass das Treffen in Gallarate stattfinden werde, einer 40 Kilometer außerhalb von Mailand gelegenen Kleinstadt.
Das Treffen begann jedoch nicht wie geplant am Nachmittag, sondern bereits in der Früh. Wohl auch, da für Nachmittag eine antifaschistische Demonstration angemeldet worden war.

Starke antifaschistische Präsenz in Mailand

Mehr als 2.000 Antifaschist*innen demonstrierten in Mailand unter dem Motto „Make Europe Antifa Again“ gegen das Treffen der Rechtsextremen. Die Polizei setzte vergeblich Wasserwerfer und Tränengas ein, um die Demonstrant:innen zu zerstreuen.

Zeitgleich hatte ein breites Bündnis zu einer Kundgebung auf dem zentralen San-Babila-Platz in der Innenstadt aufgerufen. Die Modena City Ramblers spielten, Gewerkschafter:innen und Linkspolitiker:innen hielten Reden.

Schulterschluss in der Provinz



Im Stadttheater in Gallarate, dem Veranstaltungsort des rechtsextremen Treffens, blieben zahlreiche Sitze leer – weit entfernt von den 400 angekündigten Teilnehmern. Trotz der überschaubaren Kulisse hatte das Treffen inhaltlich Gewicht: Es brachte zentrale Akteure der europäischen extremen Rechten zusammen und setzte ideologisch klare Signale. Der Kongress wurde u. a. von Martin Sellner (Identitäre Bewegung) mitorganisiert und propagierte offen rassistische Forderungen wie die Massendeportation von Migrant:innen.

Auch Südtiroler beteiligten sich

Vertreter der Südtiroler Rechten – darunter die „Junge Aktion“ und JWA-Mitarbeiter Raphael Mayrhofer – nahmen am rechtsextremen Treffen.
Der aus Olang stammende ehemalige Kandidat der Südtiroler Freiheit und Schützenkamerad Alex Auer vertrat die “Junge Aktion” während dem Event.
Jürgen Wirth Anderlan konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht teilnehmen, rührte aber auf Social Media fleißig an der Werbetrommel. Der rechtsextreme „Maiausflug“ zeigt einmal mehr, wie aktiv und international vernetzt die Südtiroler Rechte agiert.



Grenzprobleme für Ausgrenzungs-Fans

Kurz vor dem Treffen versuchte die deutsche Bundespolizei, mehreren Identitären-Aktivisten die Ausreise zu verwehren – acht wurden am Münchner Flughafen gestoppt und stundenlang festgehalten. “Ausgerechnet eine geschlossene Grenze machte der Gruppe einen Strich durch die Rechnung.”, schreibt Beltower News.



AfD-Politikerin Lena Kotré lobte beim Treffen offen die Identitäre Bewegung (IB) und betonte deren positiven Einfluss auf die Politik. Während sich die Partei früher offiziell von der IB distanzierte, hat sich das Klima inzwischen gewandelt: Die „Neue Rechte“ liefert heute ideologische Grundlagen und dient der AfD als strategisches Bindeglied zur Jugend.

Unterstützung durch italienische Rechtsparteien



Auch die Lega findet sich ideologisch längst in der neuen Rechten wieder. Ohne die Zustimmung des Lega-Bürgermeisters im Veranstaltungsort Gallarate, Andrea Cassani, wäre eine derartige Konferenz in einer kommunalen Einrichtung nicht möglich gewesen.
Für Italiens Innenminister Matteo Piantedosi handelt es sich dabei lediglich um „legitime Beiträge“, während er es vorzieht, gegen die antifaschistischen Demonstrationen zu polemisieren, die er als „Vorwand für Unruhen“ bezeichnete.



Auch wenn viele italienische Medien das „Remigrations“-Narrativ unkritisch übernahmen und verbreiteten, war die Vertreibung der Rechtsextremen aus Mailand ein starker Erfolg von Antifaschist:innen aus unterschiedlichen Lagern. Antifaschismus wirkt!

Schwaz in Tirol: Rechtsextremer Kongress in Räumen der Stadt

Update vom 14.5.2025:

Absage für rechtsextremen Kongress in Schwaz: Die Stadt hat den Mietvertrag mit der Gruppe Haymon gekündigt. Antifaschistischer Widerstand wirkt!

Nachdem wir am Montag (12.5.) den Veranstaltungsort öffentlich gemacht haben, stellten Antifaschist:innen aus Innsbruck eine Protestkampagne auf die Beine.

Kurz nach Mittag erklärte gestern (13.5.) dann die Stadt Schwaz, dass der Mietvertrag aufgelöst wurde und keine Räumlichkeiten für den Kongress zur Verfügung gestellt werden. Die Faschos rund um Benjamin Kranzl sitzen damit auf der Straße: Schade für sie!

Offenbar haben Rechtsextreme wieder einmal gelogen und getäuscht, um an den Raum zu kommen. Die Stadt Schwaz erklärte, dass „aus der Anmietung der Räumlichkeiten durch eine Privatperson für eine Lesung nicht der nun offensichtliche Verwendungszweck und der organisatorische Hintergrund hervorgegangen sind“.

Jetzt heißt es dranbleiben: Kein Fußbreit dem Faschismus in Schwaz! Antifaschistischer Widerstand wirkt!


Die rechtsextreme Gruppe „Haymon“ will am Samstag (17.5.) einen Kongress in Schwaz in Tirol abhalten – in Räumlichkeiten der Stadt. Der Organisator hat gute Verbindungen nach Südtirol.

Um „Haymon“, einer Tiroler Vorfeldorganisation der rechtsextremen Identitären Bewegung, war es in letzter Zeit ruhig geworden: Die Webseite ist offline, der Verein aufgelöst.

Nun will die Gruppe Schwaz in Tirol zusammen mit dem Andreas-Hofer-Bund den dritten sogenannten „Bergkongress“ abhalten.

Es handelt sich dabei um ein Vernetzungstreffen der rechtsextremen Szene, das rechte Parteien, Medienprojekte und Aktivist:innen der „Neuen Recht(sextrem)en“ zusammenbringen soll.

Rechtsextremes Vernetzungstreffen „Bergkongress“, Quelle: Haymon

Veranstaltungsort durchgesickert

Der Veranstaltungsort war geheim – bis jetzt.

Wie nun bekannt wurde, soll der rechtsextreme Kongress am Samstag im Stadtzentrum, im Mathoi-Haus in der Innsbrucker Str. 17, über die Bühne gehen.

Befremdlich: Das Gebäude gehört der Stadt Schwaz, auch das Stadtarchiv und die Stadtbibliothek sind dort untergebracht.

Bereits vor zwei Jahren konnte Haymon seinen Kongress im „Irmgard-Saal“ des Mathoi-Hauses abhalten, wie Fotos belegen.

Offenbar hat von der Stadt Schwaz bislang niemand genauer hingesehen – oder bewusst weggesehen. Denn der Titel der Veranstaltung lässt wenig Zweifel an der Ausrichtung: „Rechtes Utopia“, Beginn 10 Uhr.

Mathoi-Haus im Zentrum von Schwaz (Bildmitte), Quelle: Wikicommons

Rechtsextreme Vernetzung

Bei den vergangenen Kongressen gaben sich rechtsextreme Szenegrößen und rechte Politiker:innen die Klinke in die Hand.

2023 etwa waren beim Haymon-Kongress als Redner:innen der Rechtsextremist und Rassist Erik Ahrens sowie mehrere Vertreter:innen der Identitären geladen, wie „Stoppt die Rechten“ berichtete.

Der MetaPol-Verlag, ein „Zusammenschluss organisierter Neonazis“, der die „völkische Revolution“ propagiert (TAZ), präsentierte am Kongress sein Buchangebot.

Daneben saßen Fabian Walch und Gudrun Kofler von der FPÖ. Die aus Südtirol stammende Kofler ist eng mit der Süd-Tiroler Freiheit verbunden.

Rechtsextremist Ahrens neben Fabian Walch und Gudrun Kofler (beide FPÖ), Quelle: Stoppt die Rechten

Organisator: ein „Nazi aus Tirol“

Hinter „Haymon“ steht vor allem eine Person: Benjamin Kranzl, ein „Nazi aus Tirol“ (TT), ehemals FPÖ, später freier Gemeinderat von Schwaz.

Kranzl pflegt gute Kontakte nach Südtirol, etwa zur rechtsextremen Gruppe „Junge Aktion“ oder zum ehemaligenen Olanger STF-Gemeinderat Matthias Hofer (Zitat: „echte Freundschaft“).

Rechte Vernetzung: Kranzl und Hofer, Quelle: Facebook

Unterstütze den Protest gegen die Veranstaltung!

Es ist nicht akzeptabel, dass die Stadt Schwaz Hass, Hetze und rechtsextremer Propaganda eine Bühne bietet. Es ist zu hoffen, dass den Auftritten von Haymon in den Räumen der Stadt endlich ein Ende gesetzt wird.

Unterstütze den Protest gegen den Kongress und kontaktiere die Verantwortlichen!

  • stadtamt@schwaz.at (Bürgermeisterin Victoria Weber)
  • r.prinz@schwaz.at (Reinhard Prinz, Leitung Kulturamt)
  • stadtarchiv@schwaz.at (Ursula Kirchner, Stadtarchiv/Mahoi-Haus)

Quellen:

Brennpunkt Wipptal: Schützenhut und Springerstiefel

Sie posieren mit Harrington-Jacke und Springerstiefel. Selbstverständlich sind die Schnürsenkel weiß. Im Hintergrund läuft Onkelz-Sound, dazwischen Wehrmachtslieder und rechtsextreme Songs von „Kategorie C“. Es wird geraucht und gesoffen: Größer als die Liebe zu Deutschland ist nur die zum Alkohol.

Es könnten Bilder aus den 90er-Jahren sein, als auch in Südtirol die „Baseballschlägerjahre“ begannen. Aber sie sind hochaktuell. Die Rechts-Radikalisierung bringt auch ein Klischee zurück: die Springerstiefel-Nazis.

Lukas Kasslatter ist einer von ihnen. Zusammen mit Julian S. posiert er in Neonazi-Kluft für die „Revolte Wipptal“, wie sich die Gruppe nennt. Ihre Gesichter sind verpixelt, an den Tattoos sind die beiden Männer unschwer zu erkennen.

Kasslatter ist Anfang 20 und Mitglied im Schützenbund. Er will Kommandant in der neugegründeten Kompanie Innerpfitsch werden. Er ist „heimatverbunden“, lässt er Salto wissen. Gemeint ist wohl Großdeutschland: „National statt global“, so das Motto der Gruppe.

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Neue Rechte in Südtirol: Ästhetik, Netzwerke und Gefahr der Verharmlosung

In einem kürzlich veröffentlichten Video auf Instagram sind vier Männer mit rot-weißen Sturmhauben zu sehen. Sie filmen sich beim Training und Boxen im Ares Calisthenics Park in St. Georgen bei Bruneck. Das Profil auf Instagram nennt sich „Junge Aktion“.

In der Beschreibung heißt es: „Wir sind die Speerspitze der volkstreuen Jugend in Südtirol, eine Jugend, die ihr Land nicht aufgibt. Wir sind organisiert, diszipliniert und aktiv – und wir holen unser Land zurück!“

Zu sehen ist im Video, wohl kaum zufällig, ein Aufkleber gegen das NS-Verbotsgesetz, der sich mit dem aus Lienz stammenden Neonazi Manuel Eder solidarisiert. Der Osttiroler wurde wegen NS-Wiederbetätigung verurteilt, gehörte zum Blood-&-Honour-Netzwerk, wirkt in Rechtsrock-Bands wie z. B. „Terrorsphära“ mit und ist aktiv in der neonazistischen Kampfsportszene.

Die Jungs zeigen sich beim Lesen des Buchs „Remigration“ des österreichischen Rechtsextremisten Martin Sellner. Am Ende des Videos wird das Okay-Handzeichen gezeigt, das seit einigen Jahren in der Neonazi-Szene als Symbol für White Power steht.

Nazi-Sticker und White-Power-Gruß / Instagram
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In Erinnerung an Fabio Tomaselli, ermordet von Faschisten

Vor 21 Jahren wurde der 26-jährige Fabio Tomaselli in Bozen von Neofaschisten ermordet. Die Täter taten alles, um die Erinnerung an ihn und die brutale Tat in Vergessenheit geraten zu lassen. Zeit, das Schweigen zu durchbrechen.

Er war ein ruhiger und fleißiger Mensch, wird ihn sein Zwillingsbruder Ricki einmal beschreiben. Ein „immer fröhlicher Surfer und Sunnyboy“, steht es Jahre später in der Münchner Abendzeitung. Kein Wunder: Auf den wenigen Fotos von ihm, die es gab, trug er stets eine Sonnenbrille und ein Lächeln im Gesicht.

In der Stadt Pergine bei Trient, unweit des Caldonazzo-Sees, wird Fabio geboren. 26 Jahre später, an einem Dezembernachmittag, legten Angehörige und Freund:innen im Gemeindefriedhof neben der San-Carlo-Kirche Blumen auf sein Grab.

Seine Mutter Ulrike hat mit ihren Söhnen lange in Bozen gelebt, später übersiedelte sie nach München und begann für den Bayerischen Rundfunk zu arbeiten. Fabio und Ricki, der eigentlich Richard heißt, zogen als Erwachsene zurück nach Italien und lebten seitdem in Südtirol.

Am 30. November 2003 starb Fabio dort, an einer Kreuzung am Stadtrand von Bozen. In jener Stadt, in der 82 Jahre zuvor Franz Innerhofer als erster Südtiroler von Faschisten ermordet wurde.

Was wenigen bewusst ist: Fabio Tomaselli ist das erste Opfer faschistischer Gewalt in Südtirol nach 1945.

Fabio Tomaselli vor seiner Ermordung; Mutter Ulrike besucht regelmäßig sein Grab in Pergine bei Trient / Q: Dolomiten, FF

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„Gefährliches“ Flugblatt? – Polizei in Bozen außer Kontrolle

Wir verurteilen das Vorgehen der Polizei gegen eine Mitarbeiterin des NOI-Techparks scharf. Ihre polizeiliche Registrierung stellt einen Angriff auf die Meinungs- und Versammlungsfreiheit dar. Der Versuch, kritische Stimmen durch Einschüchterung und Anzeigen zum Schweigen zu bringen, ist nicht akzeptabel und muss ein Ende finden.

Wie in einem Salto-Artikel berichtet wurde, verteilte die Frau am Mittwochabend  im NOI-Techpark kritische Flugblätter zu Innenminister Piantedosi, welcher in Südtirol Halt machte. Der Inhalt des Flugblattes prangert seine Migrationspolitik und Einschränkungen der Meinungsfreiheit, besonders bei Protesten, durch das neue Sicherheitsdekret ddl 1660, an. Zudem wurde auf internationale Konflikte und Italiens Waffenlieferungen, darunter die Situation in Israel und Palästina, verwiesen.

Der Text des Flugblattes. Quelle: Salto

Die Frau wurde erst von Beamten in Zivil (politische Polizei Digos) befragt und später zur Polizeistation gebracht, wo sie fotografiert wurde und ihre Fingerabdrücke abgenommen wurden. Sie erwartet nun eine Strafe wegen „nicht genehmigter Verteilung von Flugblättern“ und wird zudem als „verdächtige und potenziell gefährliche Person“ eingestuft. Sie sei zum ersten Mal in eine solche Situation geraten und fühle sich durch das Vorgehen der Behörden eingeschüchtert.

Welle der Repression gegen linke Proteste

Dies ist einer der vielen Versuche, emanzipatorische, linke Aktionen in Bozen zu kriminalisieren. Besonders in den letzten Monaten gab es für politisch aktive Menschen Platzverweise, Demonstrationsverbote, Anzeigen und angedrohte Entlassungen zweier Pädagogen.

Hier hat die politische Repression in Südtirol einen neuen Höhepunkt erreicht. Neofaschisten, deutsche Rechte und autoritäre Polizeikräfte wie der neue Quästor Sartori arbeiten Hand in Hand. Im Namen von „Prävention“ und „Sicherheit“ wird Südtirol immer mehr zum Polizeistaat.

Wir zeigen uns solidarisch mit den Betroffenen. Gegen politische Einschüchterung und Repression. Lasst euch nicht unterkriegen!

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