Rassismus raus aus Schulen und Kindergärten!

Eine Schule nur für „einheimische Kinder“, Rechtsextreme im Kindergarten

Der Text wurde am 23.5.2026 überarbeitet.

Darum gehts: Die Waldschule Mauls bei Sterzing warb offen rassistisch für „einheimische Kinder“. Der Rechtsextremist und JWA-Mitarbeiter Raphael Mayrhofer hatte die Webseite für die Schule erstellt. Im Waldkindergarten in Kematen ist Eva Hofer, Sprecherin der rechtsextremen Gruppe „Junge Aktion“, pädagogische Mitarbeiterin. Beide Einrichtungen gehören (bzw. gehörten: die Schule ist mittlerweile geschlossen) zur Organisation Faunus. Wir fordern: Rassismus raus aus unseren Schulen und Kindergärten!

In breve: La Waldschule Mauls nei pressi di Vipiteno pubblicizzava con toni razzisti l’ammissione ai «bambini autoctoni». Raphael Mayrhofer, estremista di destra e collaboratore della JWA, aveva creato il sito web per la scuola. All’asilo nel bosco di Kematen, Eva Hofer, portavoce del gruppo di estrema destra «Junge Aktion», lavora come educatrice. Entrambe le strutture fanno (o facevano: la scuola è stata nel frattempo chiusa) parte dell’organizzazione Faunus. Chiediamo: via il razzismo dalle nostre scuole e dai nostri asili!

Waldschule Mauls (2020-2025) der Genossenschaft Faunus: naturpädagogische Angebote im Wipp- und Pustertal / Bild: instagram/faunus

2020 wird im alten „Seeberhof“ in Mauls bei Sterzing die „Waldschule Mauls“ eröffnet. Vom regulären Schulbetrieb abgemeldet, sollen Kinder dort nach naturpädagogischen Grundstätzen gefördert werden.

Nachdem die Schule in finanzielle Schwierigkeiten geriet, wurde sie Teil der Organisation „Faunus“, die „Waldkindergärten“ in Brixen, Sterzing und Kematen im Ahrntal betreibt.

Schule nur für „Einheimische“?

2024 geht eine neue Webseite der Waldschule online. Dort ist zu lesen: „Wir, die Waldschule Mauls, sind der Lernort für einheimische Kinder von fünf bis zehn Jahren.“ Der Werbeauftritt im Internet ist nur auf deutsch gehalten, Informationen in Italienisch gibt es nicht.

An einer anderen Stelle der Webseite heißt es: „Wir haben uns bewusst für eine kleine Gruppe einheimischer Kinder entschieden, die wir mit einem hohen Betreuungsschlüssel optimal begleiten können.“

Man zeigt sich offen rassistisch: Kinder, die nicht als „südtirolerisch“ gelten, sind offenbar unerwünscht. Interessierte können sich via „E-Post“ an die Schule wenden.

Schule nur für „Einheimische“: offener Rassismus / Bild: waldschule.org

Ein Rechtsextremer arbeitet mit

Erstellt hat die Webseite der Waldschule Mauls Raphael Mayrhofer aus Brixen. Er ist Mitglied im Verein und tritt in dieser Zeit als Sprecher der Schule auf, nimmt Anrufe von Interessierten entgegen, organisiert eine Feier.

Mayrhofer ist politisch kein Unbekannter: Als Franktionsmitarbeiter des Landtagsabgeordneten Jürgen Wirth-Anderlan ist er seit einigen Jahren für dessen politischen Kurs mitverantwortlich. Ideologisch gilt Mayrhofer als völkischer Nationalist und Rechtsextremist. Er ist mit der osttiroler Neonaziszene vernetzt ebenso wie mit italienischen Neofaschisten.

Fotos zeigen ihn auf dem rechtsextremen Vernetzungstreffen in Mailand 2025. Auch gilt er laut Tageszeitung als Mitgründer der rechtsextremen „Jungen Aktion“ in Südtirol, die Fahrten zu Neonazi-Treffen in Deutschland organisiert und Veranstaltungen von Schwulen, Lesben und Queers angreift.

Raphael Mayrhofer (Mitte) bei einem rechtsextremen Vernetzungstreffen in Mailand 2025 / Bild: flickr/theo.winkler

Erziehung als politisches Projekt

Das Thema Kinder treibt Mayrhofer schon lange um. Er spricht von „Überfremdung“, „Massenmigration“ und „Vermischung der Völker“, und unterstützt lautstark neofaschistische Deportationspläne. Auf Social Media fordert er ein „Bekenntnis zu Volkserhalt, Rasse und biologischer Weltanschauung“. „Alles ist politisch“, schreibt er am 30. April 2025: „Freizeit, Arbeit, Erziehung„.

2025 wurde die Waldschule Mauls aufgrund fehlender Anmeldungen geschlossen. Offenbar war sein Engagement für die Waldschule auch politisch motiviert.

Mauls: Kein Einzelfall

Mayrhofer ist nicht die einzige problematische Personalie bei „Faunus“. In der Kindergartengruppe in Kematen arbeitet Eva Hofer aus dem Pustertal als Pädagogin.

Hofer tritt seit einigen Monaten als Sprecherin der „Jungen Aktion“ in Erscheinung. Ganz im Einklang mit Mayrhofer beklagt sie auf dem Social-Media-Kanal der Gruppe „Massenmigration“ und „überfremdete Schulen und Kindergärten“. Seit einem Jahr begleitet sie die Gruppe bei Ausflügen zu rechtesextremen Veranstaltungen in Wien und Dresden, ihr Social-Media-Profil zeigt ein Runenzeichen.

Eva Hofer: pädagogische Mitarbeiterin von Faunus und Sprecherin auf dem Social-Media-Kanal der „Jungen Aktion“ / Bild: faunus.it, instagram/jungeaktion

Faunus: „Alle Kinder willkommen“

Die Leitung von Faunus hat auf mehrere Anfragen nicht reagiert. Nach der Veröffentlichung der Recherche haben sich die Waldschule-Gründer:innen und die Faunus-Leitung zu Wort gemeldet. Dadurch konnte der Text an einigen Stellen korrigiert werden.

Faunus sieht in der Mitarbeit einer rechtsextremen Agiatorin im pädagogischen Team im Waldkindergarten Kematen keinen Widerspruch:

„Frau Hofer arbeitet für uns. Was die Rückmeldungen von Kolleginnen und Eltern sowie ihr Umgang mit diesen und den Kindern belegen, ist ihre Arbeitsweise im Sinne der Werte des Faunus: Inklusion, Wertschätzung, Miteinander, Umweltbewusstsein. Und diesem Motto getreu, waren und sind alle Kinder in unseren Waldkindergärten willkommen und erfahren eine chancengleiche Erziehung und Bildung, welche in und mit der Natur stattfinden.“ – Niklas Klinge, Faunus

Die fehlende Abgrenzung zeigt, wie weit die Normalisierung von Rechtsextremismus schon fortgeschritten ist. Pädagogische Fachkräfte haben eine wichtige Vorbildfunktion und prägen die Wertehaltung junger Menschen in sensiblen Entwicklungsphasen. Rechtsextreme Akteure nutzen diesen Raum oft subtil, um demokratiefeindliche, rassistische und ausgrenzende Rollenbilder zu normalisieren. Unsere Position ist klar: Rechtsextremismus und Rassismus raus aus Schulen und Kindergärten!