Gewalt, Hass, SS-Symbole: Rechtsextreme Jugendgruppe in Kaltern

In Kaltern hat sich in den letzten Monaten eine Jugendgruppe formiert, die durch Sachbeschädigungen und rechtsextreme Gesten auffällt.

Recherche: Antifa Überetsch

Sie nennen sich „Aktverein Kaltern“ und betreiben zwei Social-Media-Kanäle. Dort inszenieren sie sich als Jugendgang – teilweise maskiert, mit Pyrotechnik und markigen Sprüchen. Was die Gruppe eint, ist die Lust an der Provokation und die Suche nach Aufmerksamkeit. Die Videos erreichen im Netz zum Teil hunderte Aufrufe.

Hitlergruß vor einem abmontierten Carabinierischild. Quelle: Instagram

Zur Kerngruppe gehören rund zehn Personen, etliche von ihnen sind noch minderjährig. Die meisten dürften noch bei ihren Eltern wohnen. Laut eigenen Angaben wurde die Gruppe 2024 gegründet. 

Im August 2025 berichteten verschiedene Medien über eine gewalttätige Auseinandersetzung in Kaltern, ein Paar wurde vor einem Imbissstand attackiert. Die Angreifer: Mitglieder des Aktvereins. Die Jugendgruppe meldete sich daraufhin zu Wort und erklärte unter anderem:

„… die Berichterstattung über angeblich rechtsradikale Parolen ist unbegründet, da dafür keine Belege vorliegen und dies potenziell diffamierend ist.“

Inzwischen zeigt sich jedoch ein deutlich anderes Bild. Auf ihren Social-Media-Kanälen präsentiert sich die Gruppe offen mit nationalsozialistischen Grafiken, SS-Symbolik, einschlägigen Parolen sowie dem Hitlergruß. Auch gegenüber „der Antifa“ äußert die Gruppe massive Abneigung. Unter dem Slogan „Kaltern reinigen“ zerreißen in einem Video Mitglieder antifaschistische Sticker. In einem weiteren Video drohen sie mit „Wir kriegen euch alle!“.

Schließlich meldeten sie sich auch auf ihren Stories zum Olympia-Fackellauf in Kaltern zu Wort und schrieben: „Olympia Lauf in Kaltern? Besser wäre ein Lauf für Remigration!“ Daraufhin posteten sie ein weiteres Video in ihrer Story, in dem sie sich erneut offen mit Hitlergruß und faschistischer Symbolik an verschiedenen Orten zeigen. Darunter auch ein Video, das sie in einem Club zeigt, wo sie mit einer Aktverein-Fahne posieren.

„SS“-Anspielungen, Verbrennung des Stol-Logos. Quelle: Instagramkanal der Gruppe

Allgemein lässt sich aus ihren Instagram-Stories entnehmen, dass die Gruppe immer wieder an verschiedenen Orten in Kaltern und Bozen auftaucht. Ihre anderen Inhalte schwanken zwischen Clubbesuchen, exzessivem Alkoholkonsum und dem Posieren mit White-Power-Handzeichen.

Erst kürzlich demontierten und stahlen die Jugendlichen ein Straßenschild der Carabinieri in Kaltern und posierten anschließend davor mit dem Hitlergruß. Ein anderes Video zeigt, wie die Jugendgruppe von einem Balkon aus mit Feuerwerkskörpern auf Hühner schießt.

Auch mit der Polizei scheinen die Jugendlichen immer wieder in Kontakt zu geraten. Ein Video zeigt ein Mitglied, das in einem Polizeiauto der deutschen Polizei sitzt und filmt, ein weiteres zeigt offenbar die Flucht vor der Polizei auf einem E-Roller.

Keltenkreuz, Hitlergruß, Helm mit „Division Akt“ und dem Totenkopf-Abzeichen der 3. SS-Panzerdivision. Quelle: Instagramkanal der Gruppe

Auf dem privaten Profil der Gruppe finden sich zahlreiche Bilder, auf denen die Mitglieder der Gruppe zu erkennen sind. Die meisten Beteiligten der Gruppe sind Jugendliche und junge Erwachsene, die in Kaltern wohnen: D.B., E., J.G, E., M., N.P., S.M., T.K. um nur einige zu nennen. Unter ihnen befinden sich sowohl einige aus bekannteren Kalterer Familien als auch kurioserweise Personen mit „Migrationshintergrund“. Wie das mit der propagierten rechtsextremen „Remigration“ zusammenpasst, bleibt offen.

Besonders interessant ist, dass neben Aufklebern der Gruppe selbst oft auch in Videos Aufkleber des Fußball-Ultra-Vereins „Soliti Sospetti“ zu sehen sind. Darüber hinaus posieren einige Mitglieder mit Schals und Flaggen von Hellas Verona, einem bekannten Ultra-Verein mit einer klar rechtsextremen Haltung. Eine Vernetzung mit anderen rechtsextremen Gruppen in Südtirol scheint es momentan noch nicht zu geben.

Einschätzung: Im gesamten deutschsprachigen Raum entstehen neue Neonazigruppen, vor allem über TikTok und Telegram. Die Mitglieder sind meist sehr jung und männlich, ihre Feindbilder klar: migrantische Menschen, Linke und queere Personen. Auch wenn solche Gruppen wie in Kaltern derzeit oft noch wie eine „Puffkeilergruppe“ wirken, sprechen rechtsextreme Gesten und Symbole eine andere Sprache. Sie können sich rasch weiter radikalisieren und vernetzen – Kaltern könnte dafür ein fruchtbarer Boden sein.

Das Dorf hat eine längere Geschichte rechtsextremer Umtriebe: 2005 kam es im Raum Kaltern zu Festnahmen und Hausdurchsuchungen im Umfeld des „Südtiroler Kameradschaftsrings“ (SKR) um Armin Sölva, einer neonazistischen Gruppe. Parteien wie die JWA um Anderlan tragen mit xenophoben, queerfeindlichen und verschwörungsideologischen Botschaften zur weiteren Normalisierung und Radikalisierung bei.

Gerade in Kaltern darf nicht weggeschaut werden. Es gilt, Dinge beim Namen zu nennen, Haltung zu zeigen, Grenzen zu ziehen und Neonazismus klar zu widersprechen.

Naturfreunde: Rücktritt, aber Fragen bleiben | Kommentar

Der in rechtsextremen Kreisen verkehrende Stefan Rainer ist nicht mehr im Vorstand der Naturfreunde Jenbach (Tirol). Das ist erfreulich. Der Verband macht in der Angelegenheit jedoch keine gute Figur. Es fehlt nicht nur am Problembewusstsein.

Nachem im vergangenen Sommer Kritik am Kassier der Naturfreunde-Ortsgruppe Jenbach laut wurde, passierte zunächst recht wenig. Still und heimlich verschwand Rainers Name von der Webseite. Bei den – regulären – Vorstandswahlen im vergangenen November wurde der Mann nun nicht mehr wiedergewählt.

Eine öffentliche Stellungnahme von den Naturfreunden zu den Vorgängen gab es nicht. Auch die Verbandsleitung duckte sich weg. Dabei haben nicht nur die Tiroler Mitglieder ein Recht darauf zu erfahren, welche Schritte gesetzt wurden.

Es ist durchaus im öffentlichen Interesse, wie es sein kann, dass ein Mann mit offen rechtsextremer Gesinnung jahrelang in leitender Funktion für einen Freizeitverein mit sozialdemokratischen Wurzeln tätig sein konnte.

Kickls Hetze, der Rassismus der Identitären, die Lügen der Corona-Leugner: Aus seiner Einstellung machte Rainer nie einen Hehl, verbreitete die rechte Propaganda auch öffentlich. Und Jenbach ist nicht Wien: In dem 7.500-Einwohner-Dorf kennt man sich.

Die Reaktion der Naturfreunde macht daher umso mehr stutzig. Anstatt Position zu beziehen wird verschwiegen, vertuscht und verleumdet. Ortsgruppe, Landes- und Bundesleitung wurden vorab über den Fall informiert. Geantwortet hat bis heute niemand. Kritische Kommentare auf Instagram ließ der Verband löschen, der Bundes-Account bezeichnete das Aufdecken des Falles als „Hetze“ und „Diffamierung“.

Aufklärung ist „Hetze“. Bild: Screenshot Instagram

Dieser Umgang ist nicht nur unprofessionell. Er legt grundlegende Versäumnisse offen. Ein angemessenes Prolembewusstsein fehlt ebenso wie Strukturen, die in solchen Fällen greifen könnten. Weder existiert eine Meldestelle, noch verfügt der Verband über ein entsprechendes Fachreferat.

Nicht umsonst haben die Naturfreunde Deutschland (der Verband ist unabhängig vom österreichischen) mit „FARN“ eine interne Fachstelle für Radikalisierungsprävention eingerichtet, die sich u. a. mit rechtsextremer Unterwanderung im Naturschutz befasst.

Mit einem umfassenden Bildungs- und Beratungsangebot werden Funktionär:innen und Mitglieder für die historischen und aktuellen Verknüpfungen des Naturschutzes mit extrem rechten Ideologien sensibilisiert. Mit dem Fall Rainer konfrontiert, bedankte sich FARN für den Hinweis und versprach, im Rahmen seiner Möglichkeiten tätig zu werden.

Im österreichischen Naturfreunde-Verband fehlt eine solche Stelle. Es gibt ja keine Probleme. Und wenn doch, dann werden sie gelöscht.

FARN bedankte sich für den Hinweis. Foto: Screenshot Mastodon

Für ein ungeteiltes Südtirol – Gastkommentar

Ein Gastkommentar von der Gruppe Alpe Libera

Die wahre Grenze verläuft zwischen oben und unten

Die Realität
Unser Zusammenleben, man könnte auch meinen, unser Auseinanderleben, ist hauptsächlich durch zwei gesellschaftliche Systeme, zwei Realitäten, zwei andere Welten geprägt. Wir leben heute in einer Trennung, die viele für normal halten.

Kinder gehen in getrennte Kindergärten, später in getrennte Schulen. Sie lesen unterschiedliche Medien, sind in unterschiedlichen Vereinen, bewegen sich in unterschiedlichen kulturellen Öffentlichkeiten, Begegnung ist nicht selbstverständlich. Diese Trennung erzeugt früh getrennte Räume, in denen ein Miteinander nicht selbstverständlich ist.

Wo Menschen sich kaum begegnen, entsteht kein gemeinsames Verständnis. Vorurteile entstehen hier nicht, weil Menschen „von Natur aus“ feindlich wären, sondern weil soziale Beziehungen fehlen.
Ein Zusammenleben entsteht nicht im Kopf, sondern im Alltag. Wenn dieser Alltag getrennt ist, dann bleibt auch das Denken getrennt. So entstehen Parallelgesellschaften. Nicht als moralisches Problem, sondern als strukturelles. Und wenn diese Beziehungen getrennt organisiert sind, verfestigen sich auch getrennte Bewusstseinsformen.

Das Problem ist also nicht, dass Menschen „zu verschieden“ wären. Das Problem ist, dass diese Verschiedenheit politisch und institutionell organisiert wird.

Bild: Protestkundgebung 1981 in Bozen gegen die Einführung des ethnischen Proporzes

Eine historisch produzierte Spaltung
Diese Situation ist kein Naturzustand. Sie ist gemacht. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Südtirol Italien zugeschlagen. Unter dem Faschismus folgte eine gezielte Italianisierung: Industrie, Verwaltung und staatliche Jobs wurden im urbanen Raum angesiedelt und überwiegend italienischsprachig organisiert. Die deutschsprachige Bevölkerung blieb stärker in der Landwirtschaft, mit kleinen Besitzstrukturen außerhalb den Städte verankert.

So entstand eine soziale Spaltung, die als sprachlich sowie eine kulturelle wahrgenommen wurde. Unterschiedliche Lebensrealitäten wurden zu nationalen Gegensätzen erklärt, welche Deutsch und Italienisch grundsätzlich unterscheiden würden.

Gleichzeitig entwickelte sich auf der anderen Seite ein starker deutschsprachiger Nationalismus. Während des Zweiten Weltkriegs war Südtirol massiv von nationalsozialistischer Ideologie geprägt. Auch hier wurde Identität politisch aufgeladen und militarisiert.

Die Bombenjahre nach dem Krieg waren kein Schritt in Richtung Befreiung, sondern Ausdruck einer Politik, die soziale und politische Fragen durch nationale Symbolik ersetzte. Gewalt wurde zum Ersatz für reale Veränderung. Besonders die frühen Sabotageaktionen entsprangen aus Wut und Hilflosigkeit angesichts des Stillstands in der Südtirolfrage. In späteren Jahren kamen jedoch rechtsnationalistische Einflüsse sowie Waffen aus dem deutschsprachigen Ausland hinzu . Aspekte, die von der patriotischen Szene bis heute bewusst verdrängt werden.

Auf die Attentate reagierte der Staat mit einer umfassenden Militarisierung Südtirols durch Sicherheitskräfte und Geheimdienste, die auch in Folter und Morde involviert waren. Dass diese Phase dennoch bis heute verklärt wird, zeigt die Macht von Opfermythen: Sie verleihen politischen Sackgassen im Nachhinein Bedeutung.

Die Autonomie war nicht das Ergebnis eines „nationalen Befreiungskampfes“, sondern von Verhandlungen und politische Deals die auch im Zusammenhang mit anderen ungelösten Grenz und Minderheitenkonflikten standen, etwa in Friuli-Venezia Giulia (Triest). Sie brachte materielle Verbesserungen und rechtlichen Minderheitenschutz. Dass der italienische Staat der Autonomie zustimmte, war weniger Ausdruck politischer Einsicht als der Versuch, einen Konflikt zu entschärfen und beherrschbar zu machen. Autonomie wurde so zum Mittel der Befriedigung einer Grenze, nicht als Sieg eines “Volkes” über den anderen, sondern als bestimmter Schritt, um das Zusammenleben wieder möglich zu machen und Gewalt durch Politik zu ersetzen. Sie macht deutlich, dass nachhaltiger Frieden dort beginnt, wo Nationalismen zurücktreten und das gemeinsame Leben wichtiger wird als historische Siege.

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Gehackt: Aktivistin löscht „Nazi-Tinder“

Die Aktivistin Martha Root hat die rechtsextreme Dating-Plattform „WhiteDate“ live auf einem Kongress gehackt und gelöscht. Auf der Seite waren auch Personen aus Südtirol und Tirol aktiv.

„Single. Ich möchte Kinder. Politische Orientierung: Nationalsozialismus“ – Auf der von Deutschland aus betriebenen Dating-Plattform „WhiteDate“ trafen sich Rechtsextreme aus aller Welt. Im Sommer 2025 wurde die Seite gehackt.

Die Aktivistin Martha Root hielt darüber Ende Dezember im pinken Power-Ranger-Kostüm auf dem Kongress des Chaos Computer Clubs einen Vortag. Am Ende löschte sie die Webseite. Die Mitgliederdaten machte sie auf okstupid.lol zugänglich.

Rund 8.000 Personen nutzten die Seite zur Vernetzung und zum Kennenlernen, davon über 50 aus Österreich und über 80 aus Italien.

Unter den Usern der Plattform sind auch Personen aus Südtirol und Tirol.

Als „Eguia“ und „Maxi“ waren laut Tageszeitung ein 38-jähriger Filmemacher und ein 45-jähriger Jäger aus Südtirol dort aktiv, zudem „Max“ (26) aus Sterzing und „Patrick“ (25) aus Bozen.

Aus Tirol waren „Georgius“ (46) aus Landeck, „Conor“ (27) aus Wörgl angemeldet, sowie aus Innsbruck „mountainmike“ (41), „gunnar81“ (43) und „Tirol_bleibt_treu“ (48).

Die Webseite ist (Stand 12.1.) immer noch unerreichbar.

Best Of 2025 – ein Jahresrückblick

Im letzten Jahr ist viel passiert. Die Beispiele zeigen: Wenn wir uns einbringen und organisieren sind wir stark und können die Rechten aufhalten. Für eine Praxis der Solidarität, gegen ihre Politik der Angst und Ausgrenzung.

Rechte Kampfbegriffe und die Normalisierung neofaschistischer Rhetorik

Die zwei Bozner Lega-Stadtviertelräte Maurizio Puglisi Ghizzi und Massimo Trigolo sind seit kurzem offizielle Vertreter des neuen rechtsextremen Komittees „Remigrazione e Riconquista“. Die beiden sind Exponenten von CasaPound, Puglisi Ghizzi sogar Ex-Bürgermeisterkandidat in Bozen und heute mit der Lega in der Mehrheit der Stadtregierung vertreten.
Kampfbegriffe wie „Remigrazione“ tauchen immer häufiger in extrem rechten Kreisen Italiens auf und dringen bis in die Parteipolitik vor.

Italien-Fahnen der Faschos am Siegesplatz

Politische Verflechtungen

Dass Neofaschisten heute bei anderen Rechtsparteien aktiv sind ist kaum noch als Wolf-im-Schafspelz-Moment zu bezeichnen – schon gar nicht bei der Lega. Viele Parteien haben längst zentrale neofaschistische Positionen übernommen oder normalisiert.

Gegründet wurde die neue Gruppe „Remigrazione e Riconquista“ in Italien Anfang Oktober unter anderem von:

  • CasaPound 
  • Rete dei Patrioti („Netz der Patrioten“), Zusammenschluss mehrerer rechter, nationalistischer Gruppierungen
  • VFS (Veneto Fronte Skinheads), neonazistische Gruppe aus dem Nordosten Italiens
  • Brescia ai Bresciani

In Bozen dürften daher vor allem Neofaschisten von CasaPound unter dem Label aktiv sein. Dort hängten Anhänger:innen der Gruppe am 4. November an einschlägigen Straßennamen Tricolore-Fahnen auf, um den „Tag des Sieges“ zu feiern. Die Straßennamen stehen in Zusammenhang mit der faschistischen und kolonialistischen Vergangenheit Italiens. Die Aktion wurden unter anderem auf der Instagram Seite „Defend Bolzano“ geteilt. Dieser wird vermutlich auch von Casapound betrieben.

Defend Bolzano auf Instagram

Ziel der Vereinigung dürfte vor allem sein, den Begriff „Remigration“ im politischen Diskurs zu etablieren – eine Strategie, die Sellner bereits erfolgreich im deutschsprachigen Raum betrieben hat. Auch in Südtirol fruchtet diese doch recht durchschaubare Nummer, wie der Blick auf Titelseiten und Artikelüberschriften zeigt. Hier sind die Journalist:innen gefordert: Das ungefilterte Wiederholen rechtsextremer Sprechweisen und Bildprodukte muss vermieden werden.

So nicht: Rechte Parolen ungefiltert auf der Titelseite der TZ

Bonazza: DJ-Pult statt Gemeinderatssitz – Subkulturelle Vernetzung

Innerhalb der rechtsextremen Szene in Bozen passiert schon seit längerem viel mehr. Zum Beispiel bei Andrea Bonazza, Neofaschist und ehemaliger Gemeinderat von CasaPound, der in der europäischen Neonaziszene vernetzt ist.

Im September trat er als Redner über „Remigration“ und als „DJ Bonny“ beim Galerna Fest 2025 in Spanien auf. Im Vorjahr war er mit seiner Band „No Prisoner“ zusammen mit den „Green Arrows“ beim Festival zu Gast – zwei Bands, die regelmäßig im Neonazi-Milieu spielen. Die Musik wird in einem Aufnahmestudio in Bozen produziert.

Fascistas fuera – Protest in Santander gegen das Galerna Fest 2025

Bei einem Event von Brescia ai Bresciani trat Bonazza vor kurzem als DJ auf. In den sozialen Medien teilt er Fotos, wie er bei den Rebellen der Karen-Minderheit in Burma ist. Seit Jahren reisen CasaPound-Mitglieder unter dem Namen ihrer NGO regelmäßig nach in das vom Bürgerkrieg zerrissene Burma. Journalisten vermuten, dass humanitäre Hilfe als Deckmantel für politisch-ideologische Operationen dient.

Bonazza ist zudem regelmäßig zu Gast beim neofaschistischen Radiosender RBN – Radio Bandiera Nera. Subkulturelle Musik wird seit Jahren – nicht nur im Bozen – mit neofaschistischer Ideologie verknüpft. Das sehen wir auch daran, dass Bonazza als „DJ Bonny“ regelmäßig in der Bikers Bar in Bozen auflegt. In jener Bar, wo im September ein 15-Jähriger von mehreren Rechtsextremen wegen seiner Frisur gewalttätig angegriffen wurde.

Bonazza und Mitglieder von Casapound und den Green Arrows auf einem neonazistischen Gedenktag in Budapest 2020 – Quelle: Rainews

In der Roccaforte, dem Sitz von Casapound und dem Blocco Studentesco in Bozen, gibt es – in dem mit Keltenkreuz und Rutenbündelfahnen geschmückten Raum – regelmäßig Veranstaltungen.

„Remigration“ und rechte Allianzen

Die Rhetorik der Gruppe „Comitato Remigrazione e Riconquista“ normalisiert Hass, schürt Angst vor Migranten und NGOs und könnte politischen Einfluss gewinnen. Rechte Gruppen nutzen den Kampfbegriff „Reconquista“, also „Rückeroberung“, um eine angeblich verlorene kulturelle oder ethnische Vorherrschaft zu beschreiben. Einige rechtsextreme Gruppen – darunter völkisch-nationale Identitäre – sehen „Remigration“ als Teil einer ethnischen Utopie, in der Europa „kulturell homogen“ sein soll. 

Hinter der Rhetorik steckt oft die Idee von Zwangsrückführungen oder Deportationen, also konkrete Menschenrechtsverletzungen.

Das AfD-Geheimtreffen 2023 in Potsdam zeigt, wie radikale Rückführungsfantasien („Remigration“) grenzüberschreitend wirken. Sellner, CasaPound & die neue italienische Bewegung teilen dieselben Codes und Begriffe. Auch die deutschsprachige Rechte Südtirols um Anderlans JWA oder um Knoll’s Südtiroler Freiheit und deren Landesjugendsprecherin, Melanie Mair, haben diese Begriffe längst übernommen.

Es ist wichtiger denn je, klar gegen die wachsenden faschistischen Strömungen Stellung zu beziehen. Wenn Herkunft zum Maßstab genommen wird, geht die Menschlichkeit der Gesellschaft verloren.

Aktiv gegen Rechts: „Aktivismus muss unbequem sein“

In den vergangenen Monaten haben sich in Südtirol mehrere lokale Initiativen gegründet. Sie wollen dem gegenwärtigen Rechtsruck nicht tatenlos zusehen und solidarische Alternativen aufzeigen.

Wer sind sie und was wollen sie erreichen? Wir haben mit Aktivist:innen aus Brixen, dem Sarntal, dem Überetsch und Bozen gesprochen.



161 BRX / BRS

Instagram-Seite

Die Idee für die Brixner Gruppe „161 BRX / BRS“ wurde im September 2025 konkret. Die Zahl 161 bezieht sich auf das Alphabet und steht für Anti-Faschistische Aktion.

Die aktuelle Situation in Südtirol und besonders in Brixen zeigt immer deutlicher, wie notwendig antifaschistischer Aktivismus ist. Wir stehen für ein solidarisches und weltoffenes Miteinander und kämpfen gemeinsam für ein Brixen und ein Südtirol, in dem kein Platz für Hass, Ausgrenzung und rechte Ideologien ist.

In Brixen passiert derzeit viel, und es gibt gute Vernetzungen zwischen engagierten Menschen und Initiativen. Dennoch existieren auch in und um Brixen einige rechte Gruppierungen, die vor allem durch ihre strukturelle Arbeit nicht zu unterschätzen sind.

Wir wollen uns entschieden gegen faschistische und kapitalistische Strukturen in Brixen und Südtirol einsetzen. Besonders wichtig sind uns auch politische Entscheidungen, die ohne ausreichende Mitbestimmung und ohne Rücksicht auf die Bedürfnisse der Brixner Bürger*innen getroffen werden. (Der Hofburggarten ist für alle da!)

Veränderung beginnt dort, wo man selbst aktiv wird. Schreibt uns gerne auf Instagram und teilt eure Gedanken. Wir mögen noch wenige sein, aber wir haben die Möglichkeit, unbequem zu sein. Und Aktivismus muss unbequem sein. Antifaschismus ist und bleibt Handarbeit!


ANTIFA SARNTOUL

Instagram-Seite

Der Entschluss, die „Antifa Sarntoul“ zu gründen, wurde im Sommer 2025 gefasst. Die Gruppe ist im Sarntal aktiv und einigen schon durch ihre Aufkleber aufgefallen.

Wir sind wegen der aktuellen politischen Lage aktiv geworden und weil wir gleichzeitig festgestellt haben, dass Menschen in unserem nahen Umfeld immer mehr rechte Tendenzen zeigen. Rechts sein wird immer „woker“. Der Begriff Antifa wird von rechten Parteien und Organisationen gleichgestellt mit Extremismus, was gefährlich ist – denn Antifa bedeutet nichts anderes als gegen Faschismus zu sein, also ein wichtiger Grundpfeiler der Demokratie. Will man Antifaschismus verbieten, verbietet man langfristig Demokratie!

Konservative und patriotische Einstellungen sind weit verbreitet, wobei manche mit eben dieser Einstellung viel weiter rechts wirken oder auch so agieren, als ihnen selbst bewusst ist.

Wir engagieren uns für alle Themen, die mit Antifaschismus einhergehen. Wir setzen uns für Menschlichkeit, Respekt, einer Welt wo Gelder gerechter verteilt werden (tax the rich!) und einer bunten Gesellschaft ein. Ausbeutung, Rassismus, Sexismus, Queerfeindlichkeit, generell Ausgrenzung verschiedenster Gruppen, finden also keinen Platz bei uns!

Generell braucht es eine Gesellschaft, die wieder mehr respektvoll miteinander diskutiert, auf Themen aufmerksam macht und Gemeinschaft lebt. Bleibt also wachsam, zeigt Haltung und gründet Antifa’s in euren Dörfern und Städten und vernetzt euch mit uns! 😉



ANTIFA ÜBERETSCH OLTRADIGE

Instagram-Seite

Die Gruppe „Antifa Überetsch Oltradige“ besteht offiziell seit Mai 2025 und ist im Raum Überetsch aktiv. Im Juli fand das erste offene Treffen statt.

Die Entscheidung zur Gründung fiel als Reaktion auf „JWA“ und die „Junge Aktion“ sowie einiger lokaler und regionaler Ereignisse. Wir wollten und wollen weiterhin zeigen, dass linker Aktivismus nicht nur in der Stadt möglich und präsent ist, sondern dass Antifaschismus auch in den Dörfern und Tälern unserer Region möglich ist.

Es gibt viele Faktoren, die in der Region Überetsch, aber auch im nahe gelegenen Unterland problematisch sind. Ein großer Faktor ist natürlich JWA, der vor einigen Monaten den rechtsextremen Aktivist Martin Sellner nach Kaltern eingeladen hat. Ein wichtiges Ziel wäre es, einen solchen Besuch in Zukunft zu verhindern.

Es ist uns wichtig, Gleichgesinnten in unserer Region zu zeigen, dass sie nicht allein sind, und zu demonstrieren, dass es überall möglich ist eine Gruppe wie unsere zu gründen und aktiv zu werden.

Wir haben uns schon sehr über die vielen privaten Nachrichten und das große Interesse an möglichen Treffen gefreut. Folgt uns gerne auf Instagram und kommt zu unseren Veranstaltungen. Wir würden uns auch sehr über eure Ideen, Wünsche und Erfahrungen freuen. Wir sind ganz Ohr.


ALPE LIBERA

Instagram-Seite

„Alpe Libera“ entstand im September 2025. Die Gruppe möchte eine „Stimme der Solidarität im Alpenraum“ sein und ist bislang in Bozen in Erscheinung getreten.

Wir sind aktiv geworden, da wir uns geschworen haben, jeder Form von Hass und Unterdrückung ein stechender Dorn im Auge zu sein! Wir können nicht tatenlos zuschauen, wie wir weiter gespalten werden! Unsere Aufgabe ist es, die Kritik zu verbreiten, welche von Natur aus nicht von oben nach unten fließt. Der Regen hört nämlich erst dann auf, wenn die Sonne scheint. Unser Wunsch ist das Diskutieren/Organisieren anzuregen, die zu erreichen, die gleich ticken. Unser Ziel ist ein Südtirol, wo das Miteinander mehr Wert hat, als das Gegeneinander. Gleichheit ohne Freiheit ist Unterdrückung, Freiheit ohne Gleichheit ist Ausbeutung.

„Alpe Libera“ entstand im September/Oktober 2025 vor der Eröffnung des Mafia-Projekts
„Waltherpark“ mit einer Flugblattaktion, mit welcher die Stadt dekoriert wurde. Die Idee einer freien, antifaschistischen autonomen Stimme – made in Südtirol – entstand hingegen nach der Vertiefung des folgenden gelesenen Gedankens: „Essere appassionati significa avere il dono di appassionare gli altri.“ (Antonio Gramsci

In Südtirol spitzt sich die soziale Lage immer weiter zu, die Mieten explodieren, das Leben wird teurer während der Lohn trotz steigender Rekordgewinne stillsteht. Menschen in unsicheren, prekären Jobs oder ohne Wohnungen werden nicht richtig unterstützt oder gar verdrängt. Es gibt viele gut nutzbare öffentliche Mittel, aber hinter den Kulissen der Öffentlichkeit werden die enteignet, die zu wenig haben im Dienste von Privaten, die zu viel haben. Damit verschiebt man Probleme dorthin, wo das rechte Auge blind ist. Zudem normalisiert man rechte Gruppen durch Panikmache sowie Aufhetzen gegen den Schwächsten, um den wahren Grund dieser Probleme zu verbergen.

Womit wir uns beschäftigen ist Gentrifizierung, (alternative) Subkulturen, Korruption & „vertuschte“ Skandale in Südtirol, Klimagerechtigkeit, Krieg & (neuer) Imperialismus, Aufdecken rechter Propaganda/Pläne und Verbindungen, rechte Netzwerke und Neonazi-Strukturen, Protestbewegungen, Geschichte der „alternativen“ Politik in Trentino-Südtirol, Internationale Solidarität, Repression der linken Bewegungen in Italien (Operazione Gladio/strategia della tensione/P2) …and the list goes on!

Wie man uns unterstützen kann? Mitmachen! Jedes Material steht frei zum Ausdruck für die Verteilung zur Verfügung und wird regelmäßig auch dorthin gebracht, wo diese Stimme gehört werden muss. Wir laden alle Nicht-der-Norm-Entsprechenden ein, über ihre Ideen, Erkenntnisse und Geschichten zu schreiben und sie zu teilen. Unsere Vielfalt ist unsere Stärke und es liegt an uns, diese zu nutzen!

Verbote und Repression? Antifaschismus bleibt unsere Pflicht!

Die derzeitigen Entwicklungen rund um das Verbot der „Antifa“ sind nicht ein Angriff auf wenige, sondern der Vorgeschmack auf eine autoritäre Wende, die schon längst begonnen hat und uns alle betreffen wird. 

Das Verbot ist mehr als leere Symbolpolitik.

Es reicht nicht zu sagen, „die Antifa“ gibt es nicht, daher läuft das Verbot ins Leere. Es ist eben nicht nur reine Symbolpolitik für seine rechtsextremen Anhänger. Das ist sicher ein Teil der Wahrheit, aber eben nicht nur.

Antifaschistische Gruppen, so vielfältig sie sind, sind gut organisierte und vernetzte Akteur:innen der außerparlamentarischen Linken und der Zivilgesellschaft. Sie sind eine konkrete Bedrohung der faschistischen Mobilisierung. Ein Hindernis für den Staatsumbau und die soziale Zerstörung, die Trump – ebenso wie Rechtsextreme in Europa – vorantreibt. 

Eine Kampfansage gegen antifaschistische Gruppen.

Antifa-Gruppen legen rechte Netzwerke offen, mobilisieren zu Demos und stellen sich rechtsextremen Gruppen auf der Straße in den Weg. Und sie sind oft ziemlich gut darin. In Österreich und Deutschland verhindern sie immer wieder sehr erfolgreich, dass Neonazis aufmarschieren oder ungestört Veranstaltungen abhalten können. Ohne die Antifa wären die Identitären längst eine Massenbewegung.

Die Repression gegen Antifas ist nicht neu

Aus diesem Grund werden antifaschistische Gruppen pauschal kriminalisiert. Diese Versuche gibt es schon lange. Lina E. wurde heuer von einem deutschen Gericht rechtskräftig zu über fünf Jahren Haft verurteilt. Gegen die antifaschistische Person Maja wird derzeit in Budapest ein Schauprozess geführt. In Graz kam es zu zahlreiche Hausdurchsuchungen, weil ein Burschenschafter sein Kappl verloren hat. Und in Kärnten gab es im Sommer eine Razzia bei einem antifaschistischen Sommerzeltlager. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Das Antifa-Verbot ist die Zuspitzung einer jahrelangen repressiven Praxis.

Rechte versuchen, Selbstorganisierung zu verhindern.

Außerdem ist Antifaschismus nicht nur der Kampf gegen Faschisten. Es ist eine politische Haltung und eine historische Verantwortung eine Gesellschaft aufbauen zu wollen, die auf Solidarität fußt, nicht auf Vernichtung und weißer Vorherrschaft. 

Das Verbot ist nicht nur eine Kampfansage an konkrete Gruppen, sondern auch ein antisozialistischer Vorstoß zum autoritären Umbau des Staates. Antifaschismus war und ist auch immer eine Selbstorganisierung der Menschen gegen autoritäre Staaten und ein Schritt in die Selbstbestimmung, um die Gesellschaft selbst zu gestalten. Das Verbot ist auch ein Versuch diese Selbstorganisierung zu kriminalisieren. 

Ohne konkretes Ziel wird jede*r zum Feind

Und da ist noch eine weitere Ebene. Das Verbot erscheint willkürlich. Aber gerade weil es „die Antifa“ nicht gibt, ist es so gefährlich. Die gesamte Linke versteht sich als antifaschistisch, und Teile der Koservativen und Liberalen auch. Das Verbot ist daher ein Instrument, um gegen progressive Kräfte insgesamt vorgehen zu können. Die Politologin Natascha Strobl hat es gut auf den Punkt gebracht: „Jede Person kann zum Feind erklärt werden. Der Staat bekommt mit so einem Verbot die Mittel in die Hand, gegen jede unliebsame Person vorzugehen.“

Auch die FPÖ fordert nun ein solches Verbot. In Südtirol hat Jürgen Wirth-Anderlan mit seiner „Gesinnungsliste“ klar gemacht, wohin die Reise geht, wenn er die Mittel dazu hat. Ein Verbot „der Antifa“ ist ein Angriff auf uns alle: Wer gegen Antifaschismus ist, öffnet dem Faschismus Tür und Tor. Klar ist aber auch, dass wir uns auch durch ein Verbot nicht kleinkriegen lassen. Unsere Solidarität ist stärker als ihre Repression.

Gewalttätiger Übergriff wegen „Hate Nazi“-Frisur

Am Wochenende kam es in Bozen in einer Bar zu einer rechtsextrem motivierten Gewalttat. Mehrere rund 40-jährige Rechtsextreme attackierten einen 15-jährigen Jugendlichen mit den Fäusten. Bemerkenswert: Die gerufene Polizei kam nicht.

Der Jugendliche berichtet, dass er am Samstag, den 20. September, auf einem Konzert in der Bikers Bar in der Industriezone gewesen ist. Er saß mit Freunden an einem Tisch, als ihn ein Mann wegen seiner Frisur zur Rede stellte. Auf dem Hinterkopf trug der 15‑Jährige die Aufschrift „HATE NAZIS“, um Stellung gegen Rechtsextremismus zu beziehen. Offenbar genügte das in Bozen, um zum Ziel von Gewalt zu werden. Nachdem der Mann gefragt hatte, „was so einer wie du hier macht“, wurde der Jugendliche gepackt, zu Boden gestoßen und von mehreren Männern ins Gesicht, auf den Kopf und den Rücken geschlagen. Einige Veranstalter stellten sich zwischen die Männer, sodass der Jugendliche sich in Sicherheit bringen konnte. Die Angreifer beschreibt er als etwa 40 Jahre alt.

„Ich habe sofort die Polizei gerufen und um eine Streife gebeten, weil ich mich nicht sicher fühlte und befürchtete, die Männer könnten erneut zuschlagen. Die Polizei erkundigte sich kurz nach meinem Befinden und riet mir, am nächsten Tag Anzeige zu erstatten. Niemand kam zum Tatort. Ich hatte mir Schutz vor Ort gewünscht.
Obwohl ich wusste, das auf dem Konzert Menschen mit anderer politischer Meinung sein konnten, fühlte ich mich anfangs nicht bedroht, weil Familien und viele junge Leute anwesend waren.
Am selben Tag wurde zudem an der Talferpromenade mein Fahrrad mit Hakenkreuzen beschmiert und ein Reifen mit einem Messer aufgeschlitzt.

Ich bin enttäuscht und besorgt. Es ist nicht akzeptabel, wegen meiner antifaschistischen Haltung um meine Sicherheit bangen zu müssen. Das wird mich jedoch nicht zum Schweigen bringen. Solche Vorfälle dürfen in Italien nicht mehr vorkommen.“

Faschistenführer als DJ

Dass die Bikers Bar mit rechtsextremen Umtrieben in Verbindung gebracht wird, ist seit längerem bekannt. Der Neofaschist und ehemalige Gemeinderatsabgeordnete Andrea Bonazza tritt unter dem Namen „DJ Bonny“ dort fast wöchentlich als DJ auf. Er spielt außerdem – mit DJ‑Sets oder mit seiner Band „No Prisoner“ – wiederholt auf Konzerten der rechten Szene im In‑ und Ausland.

Wie auf Instagram beworben, treffen sich auch Fans von Hockey Bolzano regelmäßig vor oder nach den Spielen in der Bar. Ein Teil dieser Fans stammt seit Langem aus dem Umfeld von CasaPound und der lokalen Neonazi‑Szene.

Bomberjacke gegen Kutte getauscht

Auf der Facebook oder Instagram-Seite der Bar zeigt sich, welches Publikum manche Veranstaltungen anziehen. Einige Neonazis, die in den 2000er‑Jahren im Burggrafenamt oder in Bozen aktiv waren, sind jetzt in Motorradclubs aktiv. Auf einem Bild (rechts) posiert ein Daniele P., ein Fascho aus Burgstall mit der Kutte des MC Löwen und einem Hakenkreuz‑Tattoo. Daneben (Links) ist Mirco C., ein Neonazi aus dem Raum Meran, zu sehen. Er nahm 2018 mit anderen Südtirolern am Neonazi‑Festival „Schild und Schwert“ in Ostritz teil. 

Motorradkutte und Hakenkreuz Tattoo – Gäste der Bikers Bar / Quelle Bikers_bar_bz Instagram


Ist den Verantwortlichen der Bar das egal, gleichgültig, oder ist man – wie so oft in Bozen – auf dem rechten Auge blind?

JWA-Berater: Für die „weiße Rasse“, gegen Juden

Er ist „stolz auf die Blutlinie“: Jürgen Wirth-Anderlans enger politischer Mitarbeiter verbreitet online Antisemitismus und Rassenideologie.

Raphael Mayrhofer aus Brixen ist seit 2024 politischer Berater und Mitarbeiter der Liste JWA von Jürgen Wirth-Anderlan. Er ist vermutlich auch bei der „Jungen Aktion“ im Hintergrund aktiv.

Zeitlebens hatte sich Alexander Langer (+ 2015) kritisch mit Identität und Heimat beschäftigt. So wie andere Linke auch. Nach Raphael Mayrhofer hat jedoch Langers angebliche „Vaterlandslosigkeit“ mit seinen „jüdischen Wurzeln“ zu tun.

Im Antisemitismus hat die Vorstellung der Juden als „vaterlandslosen Gesellen“ eine lange Tradition. Der antisemitische Vorwurf: Juden „fühlten sich den Ländern, in denen sie lebten, nicht patriotisch verbunden und seien deshalb jederzeit zum Verrat bereit.“ (Ossietzky, 02.06.2007)

Die Behauptung, es gäbe eine „Diktatur der Hochfinanz“, ist antisemitisch und unter Rechtsextremen verbreitet. In der NS-Propaganda war die „internationale Hochfinanz“ ein häufiges Schlagwort.

Mayerhofer spricht offen von der „weißen Rasse“. Jede Partei – und damit auch die Liste JWA – brauche ein „Bekenntnis zu Volkserhalt, Rasse und biologischer Weltanschauung“.

Das Judentum gehört für Mayrhofer nicht zu Deutschland. Die AfD solle laut Mayerhofer nicht „Juden umgarnen“,denn „Deutschland ist das Land der Deutschen“.

Wir sagen: Gegen staatlich finanzierten Rassismus und Antisemitismus braucht es entschlossenen Widerstand! Kein Steuergeld für rechtsextreme Hetze!