28. Februar: Rechter Aufmarsch und Neonazi-Konzert in Bozen

Ende Februar hat die neofaschistische Gruppierung CasaPound eine Großkundgebung in Bozen angekündigt. Damit will sie der menschenfeindlichen Forderungen nach sogenannter „Remigration“ Nachdruck verleihen. Zudem ist der Auftritt einer in der Szene bekannten Band geplant.

Hinter der Gruppe „Reconquista e Remigrazione“, die die Kundgebung veranstaltet, stehen neofaschistische Organisationen wie CasaPound, Forza Nuova, Veneto Fronte Skinheads und die Rete dei Patrioti. In Bozen ist vor allem CasaPound aktiv.

Für die Demonstration erwarten sich die Rechtsextremen bis zu 2.000 Personen. Es ist davon auszugehen, dass Neofaschisten aus ganz Italien organisiert anreisen – ähnlich wie bereits bei der CasaPound-Demonstration in Bozen im Jahr 2011.

Importierter Protest: Die letzte Großdemo von CasaPound in Bozen fand 2011 mit rund 1.500 Personen statt, der Großteil kam mit Bussen aus Norditalien / Quelle: sln.no

Ein rechtsextremes Konzert soll im Anschluss am Abend in der „Roccaforte“, dem Sitz der Bozner CasaPound, stattfinden. Auf der Bühne sollen mehrere einschlägig bekannte Bands aus dem Neonazi-Milieu stehen. Neben den Bozner Gruppen No Prisoner (mit Andrea Bonazza als Sänger) und Green Arrows tritt auch Still Burnin’ Youth auf. 

Als Headliner spielen A.D.L. 122, eine der bekanntesten Rechtsrockbands Italiens. Der Name steht für „Anti Decreto Legge 122“ und richtet sich offen gegen das italienische Antirassismusgesetz (Legge Mancino). Schon der Bandname macht deutlich, dass hier nicht Musik, sondern Ideologie verbreitet wird. Die Band bewegt sich im Umfeld der rechtsextremen Bonehead-Szene (u. a. durch Bezüge wie im Song „Skinhead 88“), der Ultrà-Szene und den Hammerskins, einem internationalen Neonazi-Netzwerk.

Still Burnin’ Youth und No Prisoner veröffentlichten bei Black Shirts Records, einem Bozner Label mit klaren Bezügen zu den faschistischen „Schwarzhemden“. Der Sänger von No Prisoner, Andrea Bonazza, trat im vergangenen Jahr als „Remigrations-Sprecher“ bei einem rechtsextremen Event in Nordspanien auf. Im Anschluss spielten No Prisoner, die befreundeten Bozner Green Arrows sowie ein DJ-Set von Bonazza als „DJ Bonny“eine ähnliche Konstellation, wie sie auch in Bozen geplant ist.
Green Arrows bewegen spielen rechtsextremen Hardcore, haben schon auf Neonazikonzerten in ganz Europa gespielt und pflegen Verbindungen zu Casapound, Veneto Fronte Skinheads und Blood & Honour. 

Unter dem Deckmantel von Subkultur werden politische Botschaften verbreitet, die Rassismus, Nationalismus und autoritäres Denken normalisieren. Solche Veranstaltungen dienen nicht nur der Unterhaltung, sondern der Vernetzung, Mobilisierung und Finanzierung rechtsextremer Strukturen. Personen aus dem Bozner Neonazi-Umfeld sind wiederholt durch Gewalt und Einschüchterung aufgefallen. Besonders schwer wiegt der Bezug der Szene zum Mord an Fabio Tomaselli, der bis heute als Mahnung für die reale Gefahr rechter Gewalt steht.

Dass dieses Konzert direkt im Anschluss an eine politische Großkundgebung stattfindet, zeigt die enge Verzahnung von neurechter Szene, Politik und neonazistischer Subkultur.
In einem Beitrag auf Salto sehen wir, dass CasaPound-Mitglieder, die über die Lega in mehrere Stadtviertelräte gewählt wurden, regelmäßig die „Roccaforte“, den Bozner Sitz der Faschisten besuchen. Darunter der Bozner Stadtrat für Umwelt und Energie, Marco Caruso (Lega), der aus dem Umfeld der Bozner Neofaschisten kommt. Dieser unterstützt öffentlich die Initiative „Remigrazione e Riconquista“. Auch der Vizepräsident der Provinz, Marco Galateo, zeigt wenig Berührungsängste mit den “Faschisten des dritten Jahrtausends”.

Die Gruppe „Comitato Remigrazione e Riconquista“ nutzt eine Sprache, die Hass normalisiert, Ängste vor Migrant*innen und NGOs schürt und darauf abzielt, politischen Einfluss zu gewinnen. Begriffe wie „Reconquista“ dienen dabei als Kampfbegriffe für die Vorstellung einer angeblich verlorenen kulturellen oder ethnischen Vorherrschaft. In rechtsextremen Milieus wird „Remigration“ als Teil einer völkischen Utopie verstanden, die ein kulturell homogenes Europa propagiert – verbunden mit Zwangsrückführungen und Deportationen und damit klaren Menschenrechtsverletzungen.

Bozen wird an diesem Tag zum Treffpunkt der italienischen Neonazi-Musikszene – ein politisch und gesellschaftlich gefährliches Signal – und unterstreicht, warum antifaschistischer Widerspruch notwendig ist.

Bozen darf kein Ort sein, an dem rechte Weltbilder und menschenfeindliche Ideologien durch Musik und Events normalisiert werden.

Recherche: Alpe Libera, Antifa Meran
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