Naturfreunde: Rücktritt, aber Fragen bleiben | Kommentar

Der in rechtsextremen Kreisen verkehrende Stefan Rainer ist nicht mehr im Vorstand der Naturfreunde Jenbach (Tirol). Das ist erfreulich. Der Verband macht in der Angelegenheit jedoch keine gute Figur. Es fehlt nicht nur am Problembewusstsein.

Nachem im vergangenen Sommer Kritik am Kassier der Naturfreunde-Ortsgruppe Jenbach laut wurde, passierte zunächst recht wenig. Still und heimlich verschwand Rainers Name von der Webseite. Bei den – regulären – Vorstandswahlen im vergangenen November wurde der Mann nun nicht mehr wiedergewählt.

Eine öffentliche Stellungnahme von den Naturfreunden zu den Vorgängen gab es nicht. Auch die Verbandsleitung duckte sich weg. Dabei haben nicht nur die Tiroler Mitglieder ein Recht darauf zu erfahren, welche Schritte gesetzt wurden.

Es ist durchaus im öffentlichen Interesse, wie es sein kann, dass ein Mann mit offen rechtsextremer Gesinnung jahrelang in leitender Funktion für einen Freizeitverein mit sozialdemokratischen Wurzeln tätig sein konnte.

Kickls Hetze, der Rassismus der Identitären, die Lügen der Corona-Leugner: Aus seiner Einstellung machte Rainer nie einen Hehl, verbreitete die rechte Propaganda auch öffentlich. Und Jenbach ist nicht Wien: In dem 7.500-Einwohner-Dorf kennt man sich.

Die Reaktion der Naturfreunde macht daher umso mehr stutzig. Anstatt Position zu beziehen wird verschwiegen, vertuscht und verleumdet. Ortsgruppe, Landes- und Bundesleitung wurden vorab über den Fall informiert. Geantwortet hat bis heute niemand. Kritische Kommentare auf Instagram ließ der Verband löschen, der Bundes-Account bezeichnete das Aufdecken des Falles als „Hetze“ und „Diffamierung“.

Aufklärung ist „Hetze“. Bild: Screenshot Instagram

Dieser Umgang ist nicht nur unprofessionell. Er legt grundlegende Versäumnisse offen. Ein angemessenes Prolembewusstsein fehlt ebenso wie Strukturen, die in solchen Fällen greifen könnten. Weder existiert eine Meldestelle, noch verfügt der Verband über ein entsprechendes Fachreferat.

Nicht umsonst haben die Naturfreunde Deutschland (der Verband ist unabhängig vom österreichischen) mit „FARN“ eine interne Fachstelle für Radikalisierungsprävention eingerichtet, die sich u. a. mit rechtsextremer Unterwanderung im Naturschutz befasst.

Mit einem umfassenden Bildungs- und Beratungsangebot werden Funktionär:innen und Mitglieder für die historischen und aktuellen Verknüpfungen des Naturschutzes mit extrem rechten Ideologien sensibilisiert. Mit dem Fall Rainer konfrontiert, bedankte sich FARN für den Hinweis und versprach, im Rahmen seiner Möglichkeiten tätig zu werden.

Im österreichischen Naturfreunde-Verband fehlt eine solche Stelle. Es gibt ja keine Probleme. Und wenn doch, dann werden sie gelöscht.

FARN bedankte sich für den Hinweis. Foto: Screenshot Mastodon